Eine weitere Sternstunde des Barock gab es unter dem Titel "Florilegium Musicum" im
gut besuchten Hofgut Oberfeld mit dem Ensemble Bell'arte Salzburg, das sich mit einem
originellen Instrumentarium um die Entdeckung klanglicher Aspekte der Alten Musik bemüht.
So gerät zum Beispiel die Continuo Begleitung im Wechsel von Truhenorgel und Barockharfe
(Margit Schultheiß), Gambe oder Violone (Christian Zincke) und vor allem durch die dezente
Sonorität des Chalumeau (Christian Leitherer) äußerst vielfarbig und abwechslungsreich.
Die künstlerische Leiterin des Ensembles Annegret Siedel prägt den klangrednerisch
dialogisierenden Instrumentalklang mit Violine und Viola d'amore nachhaltig. So verliehen
das profunde Stilverständniss und die virtuose Interpretationskunst des Ensembles, verbunden
mit besonderer Sensibilität, diesem Konzert seine außergewöhnliche Qualität.
…. Johann Sebastian Bach war der jüngste Komponist, der an diesem weihnachtlichen Abend aufgeführt wurde: Werke aus dem Früh- und Vorbarock, etwas von Franz Tunder, Johann Vierdanck, Vincent Lübeck oder Heinrich Schütz bestimmten den stilistischen Tenor. Inhaltlich richteten sich die Kompositionen - unter anderem geistliche Konzerte, Choräle, Ausschnitte aus Kantaten - am Motto des Abends aus: "In nativitate Domini"
Die Bach-Werke zogen sich gleichsam als "roter Faden" durch das Programm: Instrumental realisierte Choräle, Arien und die kanonischen Veränderungen über "Vom Himmel hoch, das komm ich her" BWV 769. Hohe klangliche Kultur, geschmackvolle Ornamentik und dichte Interaktion des Zusammenspiels bestimmten die Wiedergaben in unterschiedlichen Besetzungen, besonders auch die intensive, "gerade" Tongebung der Streichinstrumente mit ihrer perfekt ausgeloteten Intonation trugen erheblich zu diesem Eindruck bei. Besonders mögen jedoch diejenigen Wiedergaben in Erinnerung geblieben sein, bei denen Emma Kirkby und die Sopranistin Susanne Rydén im Duett sangen: Die beiden Frauenstimmen mischten sich wundervoll. In der Schönheit und Leichtigkeit ihrer Stimme,
im Ausdruck und der Lebendigkeit der Detailgestaltung stand Rydén Kirkby in nichts nach.
….Nach anfänglicher Zurückhaltung - Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland" ist ja erst einmal eine Anrufung - setzte sich der weihnachtliche Jubel durch, zunächst mit der strahlenden Musik um den Engel, der die Geburt verkündigt, dann mit der eigentlichen Geburt. Die mystische Liebe zum Heiland, zum "süßen Bräutigam" wurde von Rydén ungemein schmeichelnd und zärtlich ausgestattet; Kirkby schmückte das Ganze mit mühelosen Koloraturen.
Weil die Weihnachtsgeschichte viele Facetten hat, erlaubte sich das Programm den Seitenblick auf die "Mutter des Erlösers". Sehr lebhaft geriet auch der Blick auf die eilenden Hirten. An dem schönen Programm hatten die beiden fein aufeinander eingesungenen Sopranistinnen ebenso Anteil wie die Instrumentalbegleiter, etwas Annegret Siedel als Leiterin mit der Violine.
Sopranistin Emma Kirkbygilt als "Queen of Ancient Music". Ohne die Vokalkunst der Mentorin Alter Musik ist heutiger Originalklng kaum denkbar. Wie sie sich in Choral-und Kantatentexte versenkte, Emotionen in schöner wie technisch überragender Stimmführung nachspürend, verzauberte das Publikum im Mozartsaal der Alten Oper. Dazu wirkte sie Stockholmer Sopranistin Susanne Rydén trotz anders gearteter Vokalfarben wie ihr jüngeres Alter Ego. Das hinreißende Duo wurde vom ebenso virtuos musizierenden Streicherensemble Bell'arte Salzburg mit Margit Schultheiß am Orgelpositiv begleitet: Überragend die leitende Barockgeigerin Annegret Siedel, Gambistin Rebeka Rusó und Thomas Boysen an der Theorbe.
Der hochfeine Klangkörper kostete den Reichtum deutscher Barockmusik aus. Da durfte Johann Sebastian Bach nicht fehlen.Seine Fugenkunst ertönte im Choral "Nun komm, der Heiden Heiland" in drei Instrumentalversionen. Auch Bachs "canonische Veränderungen"über "Vom Himmel hoch, das komm ich her" hatten nichts mit Weihnachtsliedsingen zu tun. Genial ließ Bell'arte alle Choralstimmen gleichzeitig erklingen und baute aberwitzige Gegenläufe ein. Ähnlich überragend die Darbietung zu Heinrich Ignaz Franz Bibers Sonate III "Jesus, den Du, o Jungfrau, geboren hast".
Kirkby glänzte in gefühlvollen Arien wie "Bereite Dir, Jesu, noch itzo die Bahn" mit dezentem Vibrato und schwebenden Koloraturen. Rydéns Bach-Arie war mit dem Text "Auch mit gedämpften schwachen Stimmen" nicht identisch. Vor allem bei den Duetten aus dem Schatzkästlein des 17. Jahrhunderts konnte man schwach werden. Franz Tunder hatte mit Choralkantaten wie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" die Lübecker Abendmusiken begründet, denen Stralsunder Konzerte wie Johann Vierdancks "Ich verkündige euch große Freude" nichts nachstanden.
Wie in Vincent Lübecks Konzert "Willkommen süßer Bräutigam" und Johann Stadens Nünberger Engelsbotschaft "Gloria in excelsis Deo" die Streicher den Sängerinnen die Figuren zuspielten, um sie neu zu verflechten, war groß. Johann Heinrich Schmelzers Wiener Hirtenkantate "Transeamus usque Bethlehem" und Heinrich Schütz' "Verbum caro factum est" steigerten Kirkby/Rydén in eine Sphäre, die nicht von dieser Welt schien. Als Kirkby Melchior Schildts Weihnachtskonzert "Ach mein herzliebes Jesulein" zelebrierte, war Bescherung, die Zugabe "Wie schön leuchtet der Morgenstern" inbegriffen.
Eines Mozart als Sohn der Stadt kann sich Bad Reichenhall nicht rühmen, aber jetzt hat man den 1629 in Reichenhall geborenen
Andreas Hofer aus dem Schubladen befreit, was sich durchaus als einer Entdeckung wert erwies. Das Bell'Arte Ensemble Salzburg
brachte im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach ei-Barocke Vesper mit Werken von Andreas Hofer in St. Zeno
zur Aufführung und sicherte sich mit der Fernsehaufzeichnung entsprechende Aufmerksamkeit.
In der Salzburger Musikgeschichte des 17, Jahrhunderts ist Andreas Hofer kein gänzlich unbekannter Name.
Immerhin hatte der Reichenhaller Musiker eine bemerkenswerte Laufbahn gemacht. Der Zeitgenosse von Heinrich Ignaz Franz Biber
und Georg Muffat wirkte zuerst als Organist in der Steiermark und war dann dreißig Jahre lang Vizekapelleister und schließlich
Hofkapellmeister der Salzburger Bischöfe. 1684 starb er in Salzburg. An handschriftlicher Hinterlassenschaft findet sich
allerdings so gut wie nichts den Salzburger Archiven.
Die Barockgeigerin und Leiterin des Originalklang-Ensembles Bell'Arte Annegret Siedel hat nun eine Reihe von Kompositionen
Hofers im tschechischen Kromeriz ausgegraben und auf CD eingespielt. In St. Zeno war jetzt das Live-Konzert dieser Barocken
Vesper zu erleben, deren feierliche Stimmung zwar von den vier Fernsehkameras etwas beeinträchtigt wurde, die der Aufführung
aber andererseits Event-Charttkter sicherten.
Hofers liturgische Kompositionen entstammen als Gebrauchsmusik seiner Tätigkeit im bischöflichen Hofdienst.
Eine Vesper hatte einst die Funktion des liturgischen Abendgebetes und bestand aus fünf Wechselgesängen mit Psalmen. Auch
bei der hiesigen Auffühmg bildeten fünf von Hofer vertonte Psalen den Kern. Als Rarität im deutschsprachigen Raum kamen
außerdem zwei " Caeciliemusiken" des Komponisten zu Gehör, deren polyphone Melodik sich fantasievoll ineinanderrankt,
dazu ein festliches Magnificat mit einer melodischer Kontur. Zusätzlich erklangen eine instrumentale "Canzon à tre" von
Giovanni Valentin, das hübsche marianische Antiphon "Salve Regina" von Johann Baptist Dolar und eine fünfstimmige Sonate
von Heinrich Ignaz Franz Biber. Der Höreindruck lieferte überzeugenden Beweis, dass die Qualität von Hofers Kompositionen
mit den Werken Bibers, die in der barocken Aufführungspraxis heute gepflegt werden und sich großer Wertschätzung erfreuen,
voll mithalten kann.
Die Mitglieder des Ensemble Bell'Arte, bestehend aus zwei Barockviolinen, Theorbe, Orgel, Violone, zwei Viole da Gamba und
fünf Vokalsolisten, erwiesen sich als stilsichere, feinfühlige und engagierte Spezialisten auf dem Gebiet der originalen
Aufführungspraxis. Der Geigerin Annegret Siedel ist als tonangebende Stimmführerin nicht nur der Entdeckerverdienst
anzurechnen, sondern sie zeichnete sich auch als energische Impulsgeberin aus, sorgte für rhythmische Frische und
konnte sich der wachen Korrespondenz ihrer Mitstreiter gewiss sein.
Die Sopranistinnen Monika Mauch und Nuria Rial sowie der Altist Henning Voss, Tenor Henning Kaiser und Bassist
Markus Flaig ragten weniger in Einzelleistungen heraus, überzeugten jedoch als homogenes, intonationssicheres und gut balanciertes
Vokalensemble. Ihre naturbelassenen geradlinigen Stimmen, die in dem halligen Kirchenraum eine natürliche Klangverstärkung
erfuhren, bildeten das passend ergänzende Pendant zu den barocken Instrumenten und der gewählten Musizierpraxis.
Eine Chance gewiss für Bad Reichenhall, es nicht bei dem einen Konzertereignis bewenden zu lassen, sondern sich vielleicht
weiter darum zu bemühen, die Meriten Andreas Hofers stärker publik zu machen.
Es herrschten ideale Bedingungen am Samstagabend beim Fränkischen Sommer. Konzertprogramm und -rahmen waren bestens
aufeinander abgestimmt, und mit dem Ensemble "Bell'Arte Salzburg" und dem Lautenisten Michael Freimuth exzellente Musiker zu Gast im Blauen Schloss.
Eine Musikhandschrift mit frühklassischen Werken verschiedener Komponisten, die am Bayreuther Hof tätig waren,
ist die Grundlage des Programms "Lautenmusik um Siegmund von Seckendorff". Michael Freimuth spielt eine dreizehnchörige Laute,
wie sie im 18. Jahrhundert gebaut wurde. Mit den Streichern von "Bell'Arte Salzburg" (Violine: Annegret Siedel und Ulrike Titze,
Viola: Werner Saller, Violoncello: Guido Larisch) hat er äußerst sensible, feinfühlige Partner an seiner Seite, die das leise
und zart klingende Instrument niemals überdecken.
Dadurch entsteht ein plastischer Kontrast zwischen Tutti und Solopassagen in den beiden Konzerten
(in C-Dur von Jakob Friedrich Kleinknecht und in d-Moll von Bernhard Joachim Hagen) für Streicher und Laute.
Mal sind die Streicher kraftvoller Motor, mal untermalen sie das schwerelos perlende, hochvirtuose Lautenspiel
mit zarten Farbtupfern.
Eng verwoben sind die beiden Instrumentalstimmen in der Sonate G-Dur von Bernhard Joachim Hagen für Laute und
Violine (Ulrike Titze). Sie scheinen sich zu umgarnen und zu umschmeicheln. Veredelt wird die Musik durch feine
dynamische Akzente und die filigrane Verzierungstechnik der beiden Interpreten.
Das Quartetto B-Dur für Laute und Streicher von Siegmund von Seckendorff ist schnörkelloser, spielt aber mit
unterschiedlichen Instrumentenkombinationen. Nach einem freudig feierlichen Eingangssatz erhält das Larghetto
durch die Paarung Cello Viola eigentümlich dunkle, fast schwermütige Momente.
Im Divertimento in D-Dur für vier Streicher von Michael Haydn (P 93) glänzen die Spezialisten für historische
Aufführungspraxis durch ungeheure Spiel- und Gestaltungsfreude.
Die vier Musiker öffnen den Zuhörern regelrecht die Ohren, kredenzen auch kleine Details
wie musikalischen Kostbarkeiten. Alles scheint durchdacht, nichts dem Zufall überlassen
und trotzdem oder gerade deswegen klingt die Musik unvergleichlich frisch und lebendig,
wie im Allegro molto. Pulsierende Rhythmen erhalten durch zupackendes Spiel manchmal fastperkussive Effekte.
Das Menuetto kommt dagegen duftig und galant daher, und im Finalsatz hält das Quartett mit Sinn für Humor und
Spielereien noch ein paar Überraschungsmomente bereit. Genuss pur.
Bach und seine Wegbegleiter
Rostocker Neueste Nachrichten / (hjst) - 20.03.2007
Die Violine und nicht die Orgel oder das Cembalo stand im Zentrum des fünften Konzertes
bei "Organo e cimbalo" in der Lichtenhäger Dorfkirche. Gespielt wurde das Instrument
von der Hamburger Barockgeigerin Annegret Siedel. Unter dem Thema " Bach und seine Wegbereiter"
musizierten sie zwei Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber" dem "Paganini des 17. Jahrhunderts",
eine von Johann Paul Westhoff, einem sächsischen Violinvirtuosen, der auch Bachs Geigenlehrer
in Weimar war, und zwei der Violinsonaten aus Bachs Köthener Hofkapellmeisterjahren.
Annegret Siedel führte auf ihrer alten Stainer-Geige aus dem Jahr 1670 und in der damals gängigen
Spielweise vor, wie barocke Violinmusik wirklich geklungen haben mag - kundig, kunstfertig und mit
gemessener Lebendigkeit.
Der Weimaraner Bernhard Klapproth begleitete die Solistin auf dern Cembalo. Er rückte mit den
virtuos-konzertierenden Cembaloparts der Bachscheu Violinsonaten sowie einer Solopassacaglia
von Georg Muffat das Cembalo wieder mit ins Zentrum.
Hochvirtuoser Streifzug durch den Norden
Westfalen-Blatt Bielefeld / Uta Jostwerner - 24.01.2007
Ensemble "Bell' Arte Salzburg"
Bielefeld (WB). In der Konzertreihe "Alte Musik" der Peterskirche Kirchdornberg geben immer wieder ausgewiesene Kenner ihre musikalische Visitenkarte ab. Zum Auftakt des neuen Jahres war es das Ensemble "Bell' Arte Salzburg ,
das in Trio-Besetzung die Hörergemeinde begeisterte.
Die Programmzusammenstellung rankte sich um Dietrich Buxtehude den berühmtesten Vertreter der norddeutschen Orgelschule, dessen Todestag sich am 9. Mai zum 300. Mal jährt. Neben kirchlichen Werken schuf er mit Triosonaten und Klavierwerken auch ein reiches weltliches Oeuvre. Dessen kunstvoll durch zeichneten Trio-Sonaten Nr. 3 und 4 aus Opus 1 umrahmten das Programm mit bekannten und unbekannten Vertretern der hanseatischen Violinschule und legten gleichzeitig dar, was das hochambitionierte Spiel von Annegret Siedel (Barockvioline) Rebeka Ruso (Viola da gamba) und Zvi Meniker (Cembalo) auszeichnet. Ein lebendig atmender Zugang, markante, griffige Akzentsetzung bis hin in den Continuo-Bereich, eine poetisch weit ausschwingende Kantabilität und perfekte Abstimmung. Technische Hürden scheinen die Musiker nicht zu kennen, die auf Instrumenten musizierten, die der Zeit Buxtehudes entstammten und daher mit dem warmen, farb- und obertonreichen Klang des Frühbarock dem Ohr schmeichelten. Belebt mit rhythmischem Schwung, feinster Tonmodulation sowie dynamischer und agogischer Finessen erreichte "Bell'Arte" eine Intensität des Ausdrucks und Lebendigkeit des Vortrags, die auf modernem Instrumentarium kaum denkbar wäre.
So geriet der Streifzug durch die geografisch und geschichtlich naheliegende Komponistenlandschaft zu einem fesselnden und genussreichen Konzerterlebnis, das viele Preziosen und Überraschungen bereithielt wie das zigeunerhaft dargebotene Stück 'Sine Titulo,' von Johann Schop
oder die tänzelnd-kantilen Variationen über zwei englische Lieder von Thomas Baltzar und Nicolaus Bleyer - beides Lübecker Vorgänger von Buxtehude.
Bewundernswert auch, mit welcher Vitalität und Spannung die charakteristischen Merkmale der Tanzsätze einer Suite von Samuel Peter Sidon herausgestellt wurden oder die feierlich tänzelnde "Sonata a tre" von Dietrich Becker in einem rasanten Fugato endete - Nach zwei Virtuosen und abwechslungsreichen Stunden war das Publikum des Barockklangs noch nicht müde, sondern erklatschte sich noch eine Zugabe.
Jubilar des Nordens
Neue Westfälische Bielefeld / (beu) - 24.01.2007
"Bell'arte" brillierte in der Peterskirche Bielefeld-Kirchdornberg
Neues Jahr, neuer Jubilar: 2007 gedenkt die Musikwelt des vermutlich im dänischen Helsingør geborenen Diet(e)rich Buxtehude. Der als Nestor der "norddeutschen Orgelschule", zudem bekanntlich der junge Bach zu Studienzwecken per pedes pilgerte, und Ausrichter der so genannten "Abendmusiken" berühmt gewordene Meister an der Lübecker Marienkirche starb vor 300 Jahren. Gleich das erste Jahreskonzert der unerschöpflichen Alte-Musik-Reihe in der Dornberger Peterskirche stand in seinem Zeichen.
Das Ensemble "Bell'arte Salzburg", das in größerer Besetzung hier bereits mit süddeutscher Streicherkunst begeistert hatte, präsentierte als Trio aus Annegret Siedel (Barockvioline), Rebeka Ruso (Viola da gamba) und Zvi Meniker (Cembalo) ein fast zweistündiges Programm rund um Buxtehude, seine Vorbilder, hanseatischen Kollegen und Zeitgenossen.
Unmöglich und unnötig, mehr als Grundzüge herauszukehren; die hochkarätige stilperfekte Musizier-Qualität sprach in jedem Fall für sich. Obenan zwei der 1696 gedruckten Triosonaten Buxtehudes als Konzertrahmen.
Zeichnete sich die in B-Dur durch die virtuose Gleichberechtigung von Violine und Gambe (das Cembalo darf nur akkord- hämmernd arrondieren) in thematisch langgezogener, tempoblitzender Vitalität aus, so stand die in a-Moll idealtypisch für den "stylus phantasticus".
Aus der Vielzahl und subjektiven Ausdrucksfülle der Sätze sprach eine von "Bell'arte" so prägnant wie brillant ausartikulierte barocke Saitenkunst zu den Hörern.
Vom eine Generation älteren Haupt der norddeutschen Violinschule, dem Hamburger Ratsmusikchef Johann Schop, erfüllte Annegret Siedel namentlich eine Pièce ohne Titel mit entwaffnendem Laufwerk-Finish und Klanglust-Animato, derweil in der echo-angehauchten "Lacrymae Pavan" und einem subtil ausgezierten Striggio-Madrigal englische und italienische Züge zusammengingen.
Englands Musik war etwa über Lokalvermittlung durch den Gambenmeister William Brade (wie kunstreich sein "Choral"!) überhaupt das zentrale Vorbild, wie Variationen der Lübecker Kollegen Nicolaus Bleyer ("English Mars") und Thomas Baltzar (ein Lovesong über einen bass-ostinaten Ground) aufs Klangdelikateste hören ließen.
Als herausragendes deutsches Gamben-Gegenstück musizierte Rebeke Ruso eine Solosonate August Kühnels in seidig- intensiver Tongebung, während Zvi Meniker in einem bestechend durchbörbar gemachten Sweelinck-Liedsatz auf den (niederländischen) Übervater der Tastenmusik verwies.
Betont repräsentatives, fast höfisches Tanzsuiten- und Sonaten-Affetto der zwei Hamburger Ratsmusiker Samuel Peter Sidon und Dietrich Becker komplettierte die Konzertstunden. So viel gediegen-ratsherrliche Musik fürs Geld machte wohl nicht nur Hanseaten, sondern auch die dankbar applaudierenden Dornberger Barockmusikfreunde froh.
Poesieund Unwägbarkeit
SüddeutscheZeitung - Starnberg / Reinhard Palmer - 12.12.2006
Ensemble Bell'Arte in der Evangelischen Akademie / Adventskonzert
Tutzing Verwöhnt durch technisch ausgereifte Instrumente und akustisch wie klimatisch
optimierte Konzerträume können sich nur die wenigsten Zuhörer vorstellen,
wie die Barockmusik einst erklang. Etwa wenn die dünnen Luftkanäle der Blasinstrumente verstopften,
dann aussetzten oder den Interpreten mit unkontrollierbaren Quietschtönen dem Nervenzusammenbruch
nahe brachten.
So vermittelte denn auch der Auftritt des Ensembles Bell'Arte Salzburg in historischer
Aufführungspraxis ebenso wenig beabsichtigt ein solches barockes Konzerterlebnis gleich zu
Beginn in Bachs Triosonate G-Dur (BWV 1038) mit der störischen Barockoboe.
Der große Aufwand bei der Akklimatisierung des Orgelpositivs bewährte sich indes: das Instrument
hielt seine Stimmung. Zum ersten Mal erklang im ausverkauften Konzertsaal der Evangelischen
Akademie Tutzing eine Orgel. Eine hoch spannende klangliche Variante, auch wenn die streng
kammermusikalische Akustik des Saals der Konstellation nicht gerade entgegenkam.
In der Barockzeit waren nur selten gerade Continuo-Instrumente explizit definiert, wie etwa in der
Sonata da chiesa op.l/9 von Corelli, die das Ensemble mit einer Alt-Blockflöte anstelle der
Oboe gänzlich im Griff hatte. Abigail Graham konnte, sich also entspannter auf die fesselnden Dialoge mit der weit spannenden Barockvioline von Annegret Siedel einlassen, zumal das Continuo in sicheren und präzis agierenden Händen lag: Irene Klein an der Viola da Gamba sowie Margit Schultheiss an der Truhenorgel.
Auch Bach bekam noch einmal eine Chance, die mit der Oboe d'amore in der Triosonate e-Moll (BWV 527)
nicht vertan wurde. Der lyrische Gesang der beiden Oberstimmen entwickelte eine fesselnde Poesie,
die mit modernen Instrumenten niemals diese Intensität erreichen könnte.
Und gerade diese substanzvolle Poesie ist für die Barockzeit in diversen geographischen
Ausprägungen wohl bezeichnend und in der Sonata pastorale F-Dur des Wiener Komponisten Johann
Joseph Fux (1660 bis 1741) geradezu Programm. Gleiches gilt für die Sonata pastorella A-Dur
für Violine und Basso continuo - hier mit Orgel alleine - von Heinrich Ignaz Franz Biber
(1644 bis 1704), in der die barocke Polyphonie in eindrucksvoller Farbigkeit der
mehrstimmigen Violine erklang. Diesen koloristischen Reichtum hatte Biber wohl von seinem
Lehrer Johann Heinrich Schmelzer (1623 bis 1680) mit auf den Weg bekommen, wie dessen Sonata
Pastorella in D-Dur mit der strahlenden Sopran-Blockflöte und der warm singenden Violine
deutlich vorführte.
Bei Solowerken für Orgel mit der rhythmisch komplexen Toccata 1 a-Moll von Johann Jakob Froberger
(l6l6bis 1667) und für Viola da gamba mit der phantasiereiehen Suite d-Moll von William Young
(gest. 1663) bekamen auch die tiefen Instrumente die ihnen gebührende Aufmerksamkeit.
Vor allem letzteres Werk sprach nicht zuletzt aufgrund der melodiös plastischen Interpretation
von Klein besonders an.
Händels Triosonate h-Moll, überaus farbig und von berührender Melodik, gelang sogar mit der Oboe
weitgehend - leider nicht immer. In der Zugabe dann schon, vielleicht weil sie heiter war und
ein kräftiges Durchpusten erlaubt
Schranne Giengen - Barockmusik auf allerhöchstem Niveau
Heidenheimer Neue Presse 14.11.2006 - Hans Peter Leitenberger 14.11.2006
Das Trio "Bell'Arte" aus Salzburg begeisterte mit einem Reigen süddeutscher und habsburgischer Musik
<
So muss Barockmusik gespielt werden: Instrumente tiefer gestimmt, weich und obertonreich. So geschah es am Sonntagabend in der Schranne in Giengen. Das Trio "Bell'Arte Salzburg" bot einen musikalischen Reigen mit süd- deutscher und habsburgischer Barockmusik.
Annegret Siedel demonstrierte auf ihrer Barockvioline die damalige Stimmkultur. Zur Erweiterung der Klangfarben bediente man sich der ',Skordatur', der Umstimmung der Saiten in Quarten oder Terzen statt Quinten. So erklang die Sonata D-Dur von Heinrich Ignaz Franz Biber in ungemein warmem, vollem Klang. Druckvolle Bogenführung und gekonnte Arpeggien zeichneten das Spiel dero Violinistin aus.
Auf gleicher Höhe spielte Margit Schultheiß auf der herrlichen Barockharfe, ohne Pedal, dafür mit drei Saitenreihen, was eine klangliche Vielfalt bewirkte. Bei ihrem Solo in der Toccata in d-Moll von Johann Erasmus Kindermann spielte sie mit Anmut und Eleganz, aber auch optisch war es ein Genuss. Ihre Finger schienen die Saiten kaum zu berühren, um die duftigen Melodielinien zu erzeugen. Ein feinsinniges Klangerlebnis, bei dem auch hier die Obertöne angenehm nachwirkten.
Stuttgart spielte in der damaligen Musikwelt eine große Rolle. Samuel Capricornus und Philipp Friedrich Böddecker waren dort als Streithähne bekannt, die sich gegenseitig des geistigen Diebstahls bezichtigten. Klare, differenzierte Artikulation war eine der Stärken des virtuos arbeitenden Trios. Bei der Ciacona in, D-dur von Froberger übernahm Margit Schultheiß souverän den Continuo-Part auf der silberhell klingenden Harfe. Böddeckers Sonata d-Moll mit nach italienischer Art kurzen Sätzen war ein farbiges Musikerlebnis mit sanft arpeggierten Figuren und raschen Flageoletts auf den Streichinstrumenten. Arno Jochem konnte seine gestalterische Kompetenz auf seiner herrlich federnd-weich klingenden Viola da Gamba bei dieser von schnellen Satzfolgen durchsetzten Sonate demonstrieren, die von allen Spielern hohe Anpassungsfähigkeit in Tempo und Dynamik erforderte.
Fast folkloristisch ging es bei Gottfried Fingers Sonata in F zu. Langanhaltende Figuren im Adagio, dazu tänzerisch-improvisatorisch gestaltete, schnelle Sätze überzeugten im Spiel des Trios besonders. Der Begriff " Sonata hatte sich inder Vor-Corelli-Zeit noch nicht verfestigt. So waren improvisatorische Elemente auch bei Rupert Ignaz Mayrs Sonata in D-Dur herauszuspüren. Es gab ein herrliches Spiel auf der Violine mit auf-und absteigenden Linien, dazu recht mutig wirkende Modulationen im Stück, die exaktes Pausieren bei den oft flirrenden Figuren erforderte.
Es war ein inniger Genuss wie zuvor bei Theodor Schwartzkopffs Suite in a-Moll, bei dem sämtliche Tanzsätze in einem Stück geboten wurden. Arno Jochen musste hier Schwerarbeit auf der Gambe leisten und verband gekonnt druckvolles Spiel mit Eleganz und Grazie. Bei Georg Muffats Sonata in D-Dur zeigte das Trio noch einmal bestechend präzises Spiel, dazu farbiges Klangbild, das mit ein paar flotten Rubati gewürzt wurde.
Ein bestechend schöner Barockabend mit sympathischen wie kompetenten Spielern und viel zu selten gehörten Meistern ging mit einer charmanten Gigue-Zugabe zu Ende.
Musikalische Zeitreise
Heidenheimer Neue Presse 14.11.2006 /Viktoria Jerke
Salzburger Ensemble Bell' Arte begeistert in der Schranne mit virtuoser Barockmusik auf historischem Instrumentarium
‚Virtuoses Barock' war der Titel des musikalischen Programms, welches das Salzburger Ensembles Bell'Arte im Giengener Bürgerhaus Schranne präsentierte:
Süddeutsche Violinkunst aus dem 17. Jahrhundert auf historischen Instrumenten hielt fast zwei Stunden die Besucher im Bann.
Man denkt bei Barockmusik oft an manieristischen Gesang in hohen Tonlagen. Für barocke Violinmusik gilt das überhaupt nicht; und ein Konzert des Ensembles Bell' Arte ist dafür der beste Beweis. Violinistin Annegret Siedel hat sieh mit ihrem Ensemble auf Alte Musik und Aufführungspraxis spezialisiert. Das aufgeführte Programm vermochte es einem barocke Violinmusik richtig an Herz zu legen. Das lag nicht zuletzt an der Begeisterung der Musiker selbst. Stimmung kam auf, als Harfenspielerin Margit Schultheiß ihre pedallose Harfe auf der Bühne stimmte - jetzt wurde auch das Zuschauen richtig spannend.
Siedel und Gambist Arno Jochem stimmten ihre Instrumente nach der Harfe.
Für Komponisten der Barockzeit war Musik das Abbild göttlicher Ordnung, das galt auch für die süddeutschen Musiker. Die Sonata in D (Jesus, der dich, o Jungfrau Maria, in den Himmel aufgenommen hat) aus den "Rosenkranzsonaten" von Heinrich 1. F. Biber "versinnbildlicht die Himmelfahrt Mariens mit vielen aufsteigenden Linien', erklärte Siedel. Dieses "Hoch hinaus" der Barockvio]ine unterstütze die Harfe mit klaren Klängen, während Jochem an der Viola da Gamba für die typische "Grundstimmung" der Barockmusik sorgte.
Die Musik des 17. Jahrhunderts orientierte sich am Sprachduktus, also dem Ausdruck des Sängers, wie Siedel erklärte. Die Sonata Seconda von Johann E. Kindermann lieferte die Praxis zur Theorie. Und hier zeigte sich, welch wichtige Stellung die Violine in der damaligen Zeit hatte. Die anderen Instrumente dominierend, virtuos und präzise präsentierte Siedel das Stück.
Schultheiß' Harfen-Solo Toccata II von Johann. J. Froberger verzauberte die Zuhörer mit zarten Klängen so sehr, dass vor dem verdienten Applaus erst verklärtes Schweigen herrschte. Auffallend dargeboten wurde auch Samuel Capricornus' Ciacona in D. Von einem Zeitgenossen ist dieses Stück als sehr frei im Umgang mit Dissonanzen bezeichnet worden, wie Siedel hin- zufügte. So gar nicht misstönend war das Zusammenspiel zwischen Siedel und Jochem.
Emotional berührend war Siedels Darbietung von Philipp F. Böddeckers Sonata in D: Gekonnt wechselte die Violinistin zwischen den verschiedenen "Charakteren" innerhalb der Sonate. Das Publikum wusste es zu schätzen und bescherte dem Ensemble nach Gottfried Fingers Sonata in F schon zur Halbzeit einen Applaus, der nur so nach Zugabe schrie.
Nach der Pause erklang abermals Biber, diesmal eine Pastorella in A. Beim Ulmer Komponisten Theodor Schwarzkopff
und seiner Suite gehörte das Feld der Harfe und der Viola da Gamba. Schultheiß und Jochem vereinten eine schwermütige Allemande mit einer lebhaften Gigue oder dem zarten Menuett. Nach Rupert I. Mayrs Sonata in D erklang Muffats Sonata und die Musiker zeigten ein letztes Mal ihr Können, dass erstaunt- begeistertes Raunen durch die Zuhörer-Reihen ging - welch gelungene musikalische Zeitreise.
Saisonabschluss der Konzerte des Geislinger Kulturvereins mit dem Ensemble "Bell'Arte Salzburg" in der Stadtkirche
Geislinger Zeitung / Ulrich Schlecht - 29.04.2006
Annegret Siedel, Irene Klein und Zvi Meniker bewiesen sich als Spezialisten für historische Aufführungspraxis
Virtuoses Barock bot das Konzert des Geislinger Kulturvereins am Donnerstag in der Stadtkirche.
Mit selten zu hörenden Werken entzückte "Bell' Arte Salzburg" die vielen Besucher.
GEISLINGEN o Gleich mit dem ersten Vortrag zogen Annegret Siedel (Violine), Irene Klein
(Viola da gamba) und Zvi Meniker (Cembalo) die Zuhörer in der Geislinger Stadtkirche in ihren Bann.
Geradezu lässig wirkend begann der Cembalist mit dem fröhlich hüpfenden Ostinato
der Ciacona in D-Dur des Tschechen Samuel Capricornus (1628-1665). Das thematische Material
der Geigerin und Gambistin war eng mit dem Ostinato verknüpft, und ihr lebhaftes Spiel,
ihre Tongebung, ein federnder Rhythmus auch im Zusammenspiel des
Trios - das war Musizieren auf ganz hohem Niveau!
Einen besonderen Genuss stellte auch die Suite in a-Moll des 1659 in Ulm geborenen
Theodor Schwartzkopff dar. Trotz einer eher herben Grundhaltung konnten die Musiker
den tänzerischen Charakter der Sätze herausarbeiten.
Die Sarabande glich einem schön ausgespielten, getragenen Gesang, während das Menuett,
bei starker Betonung der Taktschwerpunkte, eine unwiderstehliche Aufforderung zum höfischen Tanz
wurde. Annegret Siedel führte ihr Ensemble mit hochgespanntem Violinspiel, ließ die m1odischen Bögen
sanglich ausschwingen und meisterte technische Hürden und komplizierte Griffe.
Irene Klein ließ ihren Bogen über die Saiten ihrer Gambe fliegen und setzte mit deren
voluminösem Klang markante Akzente.
Das Engagement, die Körpersprache, das Aufeinander-Eingehen der Spezialisten für historische
Aufführungspraxis fand die Ergänzung in der Architektur und herrlichen Akustik des
Stadtkirchen-Chorraumes. Dieses Ambiente war auch wie geschaffen für "Jesus, der in den Himmel
aufgefahren ist", die Sonata in C-Dur aus den Mysterien- oder Rosenkranzsonaten von
Heinrich Ignaz Franz Biber. Der aus Böhmen stammende Geigenvirtuose des 17. Jahrhunderts schuf
mit dieser Sonatenfolge eine Programm musik, in der zum Fest Christi Himmelfahrt die Violine
einen Fanfarenchor imitiert, während Gambe und Cembalo dazu die Pauke "spielen".
Und im abschließenden Satz (Courante) spielten die virtuose Geigerin und das Pizzikato
der Gambe zu himmlischen Freudentänzen auf.
Es gab auch Gelegenheiten, sich solistisch auszuzeichnen. Der zuverlässige Begleiter
Zvi Meniker konnte mit der Toccata d-Moll von Johann Jakob Froberger (1616-1667) seine
Virtuosität zeigen. Und mit einer Suite in d-Moll des Gambisten Wihiam Young demonstrierte
Irene Klein die Schönheit des Spiels auf ihrem Instrument, dessen sieben Saiten zu häufigen
Arpeggien genutzt wurden. Annegret Siedel führte mit der Viola d'amore ein weiteres
Streichinstrument vor - etwas größer als die Bratsche - und interpretierte die durch breit
ausgespielte Doppelgriffe gekennzeichneten Variationen einer Aria in c-Moll von Valentin Molitor
(1637-1713).
Ein abwärts führendes Vierton-Motiv, wie es auch in Händels "Mesias" zu finden ist,
bestimmte die Thematik der Sonata in D-Dur des Franzosen Georg Muffat (1653-1704).
In leidenschaftlichen Äußerungen, einer menschlichen Stimme ähnlich, war hier deutlich
italienischer Einfluss zu vernehmen. Die sympathischen Künstler schlossen ihre meisterhaften
Vorträge zu einem Kreis, indem sie als letzte von zwei Zugaben das Anfangsstück, die Ciacona
mit ihrem Ohrwurm-Thema, wiederholten.
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Bruchsaler Schlosskonzert
Badische Neueste Nachrichten / Christine Gehringer - 12.12.2005
Musikalische Weihnachtsvorfreude
Heute aktuell:
Echte musikalische Weihnachtsvorfreude bot jetzt ein BruchsaJer Schlosskonzert
mit der schwedischen Sopranistin Susanne Ryden und dem Ensemble Bell'Arte Salzburg,
die Werke barocker Meister interpretierten.
Kultur:
Wer abseits der adventlichen Kaufhaus-Beschallung derzeit nach der echten musikalischen Vorfreude
sucht, der findet sie beispielsweise in den Werken von barocken Meistern wie Dietrich Buxtehude.
Heinrich Ignaz Franz Biber, Pal Esterhazy oder Johann Joseph Fux.
Denn was diese Komponisten
zur Weihnachtsbotschaft zu sagen haben, besticht durch eine Klarheit und Reinheit,
die wahrhaft und direkt berührt. Und noch dazu, wenn die Musik so hervorragend interpretiert wird
wie von der schwedischen Sopranistin Susanne Ryden und dem Ensemble Bell1 Arte Salzburg im Rahmen
der Bruchsaler Schlosskonzerte. Da horchte man auf in freudiger
Erwartung, da stand man schließlich ehrfürchtig und staunend vor der Krippe.
Es ist ein Genuss zu hören, wie schnörkellos Susanne Ryden immer auf den Höhepunkt
der Aussage zusteuert - behutsam, straff und geradlinig, aber ohne Schärfe und Enge im
vibratofreien Ton, den sie dann gegen Ende der Linie sanft ausschwingen lässt. Bei ihr liegt das Wichtigste zwischen den Noten; das macht ihren Gesang so faszinierend lebendig. Und immer kommt alles ganz leicht und bruchlos, mit makelloser Registerverblendung und einem runden, weichen Klang ~ gerade so, als würde sie Balsam über die schwungvollen, manchmal energisch auffahrenden Linien der Instrumentalisten träufeln und so die Werke im Kern zusammenhalten. Was für eine schöne Szene entfaltet sich da beispielsweise in der Musik von Franz Tunder über "Wachet auf, ruft uns die Stimme": Zunächst ein erwartungsvolles Anschwellen der Töne, dann ein freudig-erregtes "Wohl auf, der Bräutigam kommt", und am Ende steht dann die tief empfundenen Freude, die Aussicht auf eine gestillte Sehnsucht - hörbar in einem weltvergessenen, friedvollen Ausklang.
Dazwischen fügt das Ensemble Bell'Arte immer wieder ruhevolle Pastoralen ein, die dem Publikum Gelegenheit geben, das eben Gehörte auf sich wirken zu lassen. Da wird zunächst ein weiter Raum geöffnet, und dann kommen die Einsätze der Streicher wie ein aufgeregtes, fröhliches Gewisper - so als sei den Hirten auf dem Feld gerade der Engel erschienen. Manchmal gibt es bei den Violinen die eine oder andere klangliche Unebenheit, dafür aber holen die Musiker jede Phrase tief aus dem Körper, so perfekt bewegen sie sich im Atem der Singstimme - und am Schluss schwingen sich dann alle auf zu einem jubelnden "Erfreue dich Himmel, erfreue dich Erde":
So stellt man sich die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest vor.
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Bach und seine Wegbereiter
Frankfurter Allgemeine Zeitung / Joachim Wormsbächer - 09.11.2005
Bach und seine Wegbereiter
Auch ein Johann Sebastian Bach kam nicht aus dem Nichts: Er hatte Vorläufer, Zeitgenossen, Wegbereiter - jene,
die heute auch deshalb nicht zu den ganz Großen zählen, weil sie im Schatten des Giganten stehen und
mittlerweile die Geschichte im Rückblick ihr unerbittliches Urteil gefällt hat. Keineswegs allerdings ist
all jenes uninteressant, was man heute nicht mehr kennt. So erschien der Leitgedanke des jüngsten Abends
des Vereins Frankfurter Bachkonzerte im Mozart-Saal der Alten Oper, ihren Namensgeber - gleichsam den
Übervater der abendländischen Musik schlechthin - im Lichte seiner Wegbereiter erscheinen zu lassen,
als reizvolle Aufgabe.
Die Umsetzung dieser Idee übernahm das Salzburger Ensemble Bell'Arte, das unter der Leitung der
Barockviolinistin Annegret Siedel in verschiedenen Besetzungen auf historischem Instrumentarium musiziert.
Den Wegbereitern war der erste Teil des Programms gewidmet: Einleitend erklang "Pars III in a aus
der Sammlung ,Mensa sonora'" fUr zwei Violinen, Viola und Basso continuo des seinerzeit vor allem
auch als Violinvirtuose nachgerühmten Heinrich Ignaz Franz (von) Biber (1644-1704).
Neben Biber war - wem ist dies heute schon bewußt - Johann Paul Westhoff (1650-1717) einer der bekanntesten
Violinvirtuosen der Zeit, Von ihm stammt die Sonata in A "La Guerre", die ihren Beinamen dem französischen
Sonnenkönig Ludwig XIV. verdankt, der mit den rasanten Doppelgriffpassagen, des sechsten Satzes,
den er sich wiederholt von Westhoff vorspielen ließ, ein Gefecht oder einen Krieg assoziierte.
Bekannter als Westhoff dürfte Johann Pachelbel (1653-1706) sein, der - allen Gerüchten zum Trotz
- nicht als einzige Komposition einen auch in unzähligen Bearbeitungen existierenden, berühmten Kanon
geschaffen hat: Von ihm hörte man die mit einer imposanten "Ciacona" endende "Partia IV in c aus der
,Musicalischen Ergötzung"' für zwei Violinen und Basso continuo.
Mit Annegret Siedel und Ulrike Titze (Barockviolinen), Sabine Fehlandt (Barockviola) und der mit
Stefan Fuchs (Barockcello), Christian Zincke (Violone) und Margit Schultheiß am Orgelpositiv
ebenbürtig besetzten Continuo-Gruppe erlebte man einfühlsame, gestisch elaborierte und klangsensible
Wiedergaben, wobei namentlich der statische Mischklang von Orgel und Violone einen ganz besonderen
Reiz ausübte.
Höhepunkt dieses ersten Teils war eine De-profundis-Vertonung von Nikolaus Bruns (1665-1697):
Mit großer stimmlicher Präsenz und lebendiger, ausdrucksstarker Deklamation realisierte der
vielversprechende Nachwuchs-Baß Wolf-Matthias Friedrich den Vokalpart und schlug damit die Brücke zu der
im zweiten Teil erklingenden Urfassung von Johann Sebastian Bachs Kantate "Ich habe genug" BWV 82,
die in ihrer geradezu mystischen Todessehnsucht einen wahrlich ergreifenden Abschluß des Abends bildete.
In der vorangestellten Triosonate d-MoIl BWV 527 erlebte man Martin Stadler, der den Oboenpart der Kantate
übernahm, als versierten Blockflötisten.
Lang anhaltender Applaus belohnte neben den überzeugenden musikalischen Darbietungen sicher auch das
überaus informative Programmheft, das den Hörer mit großer Sachkundigkeit durch den Abend führte.
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"Wege zu Mozart"
SZABO's kritisches Journal der Alten Musik/ Franz Szabo - 02.07.2005
Bell'Arte Ensemble, Stiftskirche Zwettl
Seit Jahren verfolge ich aufmerksam die künstlerische Arbeit des 1995 gegründeten Bell'Arte Ensembles unter der Leitung von Annegret Siedel. Vor ihrer Solisten- und Ensembletätigkeit war die bescheidene Virtuosin unter anderem erste Geigerin im Orchester der komischen Oper Berlin und des Mozarteum Orchesters. Studiert hat sie unter anderem bei Nikolaus Harnoncourt und Hiro Kurosaki. Seit 2001 leitet sie eine Klasse für Barockvioline am Hamburger Konservatorium. Siedel entzieht sich bewusst zeitgeistig vermarkteten Strömungen der Alten Musik und widmet ihre Arbeit intensiv der Wiederentdeckung und -belebung des unermesslichen Schatzes süddeutscher Barockinstrumentalmusik. Zu welchen Gipfeln des Musizierens diese Arbeit führt, konnte man beinahe atemlos vor Glück in Zwettl bestaunen.
Ein groß angelegtes Divertimento in D-Dur von Michael Haydn und Mozarts prachtvolles Klarinetten Quintett A-Dur, KV 581, setzen die Anfangs- und Endpunkte des Programms. Dazwischen erklang ein Klarinetten Quartett in Es-Dur von Johann Andreas Amon - Hornist, Musikdirektor in Heilbronn und Kapellmeister beim Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein - mit den bezauberndsten Ver- und Entflechtungen fantasievoll variierter Instrumentenstimmen. Über 100 Werke des begabten Künstlers wurden einst gedruckt.
Jeder einzelne der im Ensemble spielenden Musiker begeisterte durch klangliche Delikatesse, einfühlsame Phrasierung, harmonische Kommunikation und emotionelles Engagement. Ute Sommer gestaltete am Barockcello höchst aufmerksam das feinsinnige Fundament, unterstützt von Werner Sallers makellosem Violaspiel. Annegret Siedel und Martina Graulich fügten dem Gebäude die kunstvollen Violinstimmen hinzu, wobei Siedels Instrument mit schlankem, leuchtenden Klang wie selbstverständlich die Leitung übernahm und sich aufs wunderbarste mit der milder strahlenden Barockklarinette von Christian Leitherer vermählte. Alle technisch perfekt, in intensiver Anspannung Herz und Seele der Musik detailgetreu beschwörend. Der in Basel ausgebildete Leitherer bedeutet eine Entdeckung, die Alfredo Bernardini und Marcello Gatti - meinen italienischen Bläserfavoriten - um nichts nachsteht: In Atem, Technik, Klangschönheit, Phrasierung und Puls einfach großartig. Siedel wiederum gelingt das Kunststück, ihre meisterhafte, kristallen geschliffene Virtuosität hinter der Gefühlsstärke ihrer Persönlichkeit vergessen zu machen und die Musik in Spannung fließen zu lassen. Ein sensationelles Konzert himmlischer Klänge - mitten ins Herz der Musik und Zuhörer!
Ute Gremmel-Geuchen, an der berühmten Egedacher-Orgel der Stiftskirche spielend, hatte keinen leichten Stand, zwischen diesen kammermusikalischen Höhepunkten Solowerke von Johann Ulrich Steigleder (1593-1635), Mozart und CPE Bach erklingen zu lassen - besonders da nicht bei allen Stücken ein unmittelbarer Programmzusammenhang zu erkennen war - beschwor die imponierende Farbvielfalt der Orgel aber mit Bravour!
Eine Bitte an die Veranstalter und Besucher: Die während der Orgelsolostücke unnötig blendenden Halogenstrahler zu dämpfen und das Fotografieren auf Zugaben zu beschränken. Es darf nicht sein, dass die so intensive emotionale Spannung von Künstlern und Zuhörern einfach "zerblitzt" wird.
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Süddeutsche Italianitá
Neue Westfälische Bielefeld / MICHAEL BEUGMOLD - 21.06.2005
Barockensemble "Bell'Arte Salzburg" in Peterskirche
Bielefeld-Kirchdornberg. Zum Saisonabschluss der Alte-Musik-Konzertreihe erwartete die Hörer ein ganz besonders hochklassiges Schmankerl. Wie das Ensemble Bell'Arte Salzburg" Streichermusiken des 17. Jahrhunderts aus den süddeutschen Residenzen München, Augsburg, Passau und Salzburg präsentierte, verdiente wohl das Prädikat festspielreif.
Italien ist nahe, das war all den ausgewählten Beiträgen aus dem bayerischen Alpenvorland anzuhören. Zumal die allesamt auch in renommierten Barockorchestern aufspielenden Gäste Annegret Siedel und Mechthild Werner (Barockviolinen), Hermann Hickethier und Christian Zincke (Viole da gamba) und Christian Horn (Violone), generalbass-assistiert von Margit Schultheiß (Orgel), diese Nähe aufs stilistisch Authentischste und animierend Klangsinnlichste herausstrichen.
Nicht von ungefähr eröffnete mit Stefano Bernardi, ein Veroneser in Salzburg, der für die dortige Domweihe zwölfchörig komponiert haben soll, die Chronologie. Seine sechsstimmige Epistel-Sinfonia brachte, noch befördert durch die Vis á vis-Aufstelluqg der beiden Violinen, etwas von venezianischer Raumklanglichkeit in die kleine Peterskirche, darin sich prächtige Tonfülle mit konzertierendem Innenleben verband. Auch die von Johann Stadlmayr elegant kontrapunktierte Geigen-Cancone über ein Madrigal von Giovanni Gabrieli atmete italienisches Flair.
Mehr flächig-homophon in durchaus eigenwillig knappen Tanzsatzcharakteren italianisiert eine Suite von Rupert Ignaz Mayr die seinerzeit ebenso bedeutsamen französischen Einflüsse. Der weit herumgekommene Augsburger Suitenmeister Johann Fischer liebte es erklärtermaßen "nicht zu künstlich", sondern beschwingt leicht, was die helle Violino piccolo als Oberstimme noch pointierte.
Bei Johann Kaspar Kerll, als Münchner und Wiener Hoforganist eine Kapazität, machten wunderbar aufeinander ein- und abgestimmte Violinen und Gamben die diversen Klang- und Abschnittwechsel seiner g-Moll-Sonate beredt, während Benedict Anton Aufschnaiter, der Tiroler in Passau, in seiner Kirchensonate "St. Augustini" ausgeprägtere Schnell-Langsam-Sätze voll tonfunkelnder Verve hören ließ. Groß angelegt und glänzend durchgearbeitet das Finalstück vom Violinmeister Heinrich Ignaz Franz Biber. Und nicht erst hier fiel eine ungeahnt zauberhafte (wie hauchzarte Horntöne!) Abrundung der ausgefeilten Streicherklänge durch die kleine Klop-Orgel auf.
Den absoluten musikalischen Höhepunkt setzte indes Bibers in Salzburg unterlegener Konkurrent Georg Muffat. Das Pionierhafte seines "Armonico tributo" von 1682 sollte ja selbst einen Corelli maßgeblich beeinflussen.
Der stilübergreifende Reichtum der G-Dur- Sonate eben daraus wurde von "Bell'Arte" hinreißend lebendig, farbnuanciert und intensiv ausmusiziert und mit einer Passacaglia gekrönt, die in ihrer Ausdrucksfülle in jener Zeit wohl ihresgleichen suchte. Ein barockes Salzburger Festspiel in Kirchdornberg, von den versammelten "Kennern und Liebhabern" lang anhaltend akklamiert.
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Wiederentdeckung einer musikalischen Provinz
Südostbayr. Rundschau / Dr. Christoph Bauer - 10.06.2005
Erlesenes Konzert in Salzburghofen: "Bell' Arte" Salzburg führte in die Welt des süddeutschen Barock
Freilassing, "Die großen (und besonders die soliden kleineren) Meister der süddeutschen Musikkultur des Barocks standen viele Dezennien - gelinde formuliert - im Schatten des Interesses, des konzertanten Betriebes und der musikwissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Gut, man kannte Heinrich Ignaz Franz Biber - so wie ihn Mozart auch gekannt hat - und Georg Muffat, Bibers Zeitgenosse, blieb mit seinen Orgelwerken auch leidlich präsent.
Die (manchmal zögerliche) Neuentdeckung, Revitalisierung begann mit der Alten-Musik-Bewegung seit dem Beginn der 1960-er Jahre. Dass in den Archiven von Bischofsresidenzen, Klöstern und adligen Ansitzen noch manch ungehobener Partiturenschatz zu heben wäre, das scheint bekannt. Das nicht lautstark genug zu rühmende Bell'Arte Ensemble Salzburg und die Geigerin Annegret Siedel hat sich im südostbayerischen Raum und ein gut Stück weit darüber hinaus um das (umfangreiche) Repertoire jener Tonsetzer bemüht - in stets präsenter ästhetischer Verantwortung. Das Publikum dankte es den Künstlern: Die Marienkirche war gut gefüllt.
Wie immer bei den Aufführungen von Bell'Arte überzeugte das klug ausgewählte Abendprogramm. Den Beginn markierte eine Epistelsonate (hier "Sinfonia" genannt) des Stefano Bernardi (1577 bis 1G37), weiland lodronischer Hofkapellmeister. Die Formideen der Renaissance erklangen hier schon in barocker Transformation. Bernardis (ungefährer) Generationsgenosse Johann Stadlmayr (1575 bis 1648) war mit einem Canzon in C (über ein Gabrieli Madrigal) vertreten.
Tafelmusik gepflegtester, souveräner Art komponierte der bischöflich-freisingische Hofkapellmeister Rupert Igna(t)z Mayr (1646 bis 1712), dessen Suite in D wahre blitzende "pathagoräische Schmids-Fünklein" - so der Titel der Sammlung - schlug.
Aus der Fuga etwa pointierte "Bell'Arte" eine echte Preziose. Aber Georg Muffat (1653 bis 1704), ein savoyardischer Gastarbeiter, erst in Salzburg, dann zu Passau, markierte noch einen weiteren künstlerischen Ausgriff. Die "Sonata cinque" aus "Armonico tributo" erklang gallisch prätentiös wie raffiniert und italienisch "geadelt". Die Musiker demonstrierten das - fast didaktisch präzise - vor allem in der großen (und großräumigen) abschließenden Passacaglia. Johann Kaspar Kerlls (1627 bis 1693) Klangrede - oft von erstaunlicher formaler Kühnheit - kommt mir immer sacht eingedunkelt vor. Die Sonata in g bestätigte mich darin: man vernahm eine Piece von verhaltener, eingezogener Schwermut und Grazie.
Nach des Johann Fischers (1646 bis 1716) Ballettae in c -Frau Siedel erläuterte vorher ihr dafür gespieltes Instrument, den Violino piccolo, eine echte Kleingeige -, wurde Benedikt Anton Aufschnaitters (1665 bis 1742), des Nachfolgers Georg Muffats zu Passau, "Sonata Sancti Augustini" gegeben. Für den Berichterstatter bot das Stück die ästhetische Überraschung des gelungenen Konzerts. Der Kirchenvater als Namensgeber und Widmungsträger verkündete hier die werbende, die zwingende bellezza der triumphierenden Kirche. Ein ebenso erfreuliches wie lehrreiches Exempel für gegenwärtige Ohren!
Dann galt es dem "Sound" des Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704). Der Protagonist des Salzburger Musiklebens, bei dem glühender Ehrgeiz und stupendes Können sich die Waage hielten - selbst Johann Sebastian Bach hat sich von ihm einiges abgeschaut - steht über jeder kritischen Mäkelei. Seine Perfektion kann fast einschüchternd sein und das Ensemble ließ den künstlerischen Rang adäquat spüren bei der Sonata sexta aus der "Sonatae tom avis quam aulis servientes", eine Werksammlung, die nicht trennt zwischen geistlichen und höfisch unterhaltenden Zielvorgaben, zwischen sakralem und profanen Musizieren. Äußerst beeindruckend! Zustimmender, herzlicher Beifall der Symphatisantengemeinde und als Zugabe eine Fuga von Gottfried (Gofrey) Finger (1660 bis 1736), hoher Barock exemplarisch.
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Einklang von Raum, Zeit und Klang
Wasserburger Zeitung / ROBER ENGL - 08.06.2005
Konzert im 100 Jahre alten Rathaussaal
Barockensembles haben heutzutage und hierzulande Konjunktur. Aber selten hörte man diese Musik so frei von historisierendem Gehabe gespielt wie vom Ensemble "Bell'Arte Salzburg" im Wasserburger Rathaussaal. Der Besucher konnte die edel geschwungenen Barockgamben, das Violone mit seinen sechs Saiten und den Bünden am Griffbrett bewundern. Wie selbstverständlich strömte die Musik, als wäre sie heute auf dem Podium erfunden, zur Freude und Wohlbefinden.
So war es auch möglich, dass Komponisten, die ihre Musik vor 300 bis 400 Jahren geschrieben hatten, in ihrer höchst eigenen Individualität präsent waren, dass ihre musikalische: Seele quasi lebendig wurde. Ein Rupert Ignaz Mayr verzauberte, das "Mehr-als-nur-richtig-Spielen" regierte in jeder Phrase. Ein Georg Muffat entpuppte sich als getreuer Sachwalter strenger französischer Vorbilder. Fugiertes von Johann Fischer war nicht trockene Materie, sondern jede Wiederkehr der aparten Themen funkte aufs Neue.
Gemütvoll, ja zum Schluss hin durch einen c-Moll-Einschub fast trauerhaft mahnend, gab sich Benedikt Anton Aufschnaiters "Sonata in C". Johann Kaspar Kerll zeigte italienisches Flair, und - in schon bekannter Manier virtuos-gefühlvoll - präsentierte sich Heinrich Ignaz Franz Bibers Sonate "für Altar und zur Tafel gleichermaßen dienlich".
Es war wohl der süddeutsche, sich mehr an Italien als an Frankreich orientierende Schmelz, der diese Musik so frei und wonnig fließen ließ.
Bleibt noch festzustellen, dass zu Ehren des vor 100 Jahren nach dem Brand, von 1874 wiederhergestellten Rathaussaales die ehrwürdige Musik eines Stefano Bernardi und eines Johann Stadlmayr gespielt wurde. Sie zeugte sinnigerweise von der Zeit, von der das der Renaissance nachempfundene Wandgemälde an der Stirnseite des Saals kündet. Ein Einklang von Raum, Zeit und Klang.
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In Nativitate Domini
Hamburger Abendblatt / Stä. 06.12.2004
Barocke Kostbarkeiten
Hamburg -
Eine schöne Bescherung, fürwahr: Rechtzeitig zum zweiten Advent
erfreute "Das Alte Werk" des NDR seine Zuhörer mit einem
vorweihnachtlichen musikalischen Überraschungspaket. In die dezent
winterblaue Bühnenbeleuchtung der Musikhalle verpackt, präsentierten
die Sopranistinnen Emma Kirkby und Susanne Rydén sowie das Ensemble
Bell'Arte Salzburg eine Reihe unbekannter barocker Trouvaillen, die
die Leiterin Annegret Siedel aus der musikalischen Schatztruhe des
17./18. Jahrhunderts zu Tage gefördert hatte: Das Programm reichte von
Rosenmüllers naiv-vorfreudiger Kantate "Lieber, lieber Herre Gott"
über tänzerisch bewegte Stücke bis hin zur meditativen Ruhe in
Schelles Kanon "Nun komm, der Heiden Heiland."
Daß die selten gehörten Kostbarkeiten hier in neuem Glanz erstrahlten,
lag natürlich nicht zuletzt an der vorzüglichen Interpretation. Die
acht Mitglieder von Bell'Arte Salzburg zeigten eindrucksvoll, wie
herrlich historische Instrumente - was für ein wunderbarer
Gambensound! - klingen können. Sie woben ein feingesponnenes Netz von
kammermusikalischer Transparenz, in das sich die Solostimmen wie zarte
Silberfäden einfügen konnten. Der ebenso klare wie schlanke Sopran von
Emma Kirkby und Susanne Rydéns dunkleres, fülligeres Timbre schmiegten
sich bei den Koloraturen girlandengleich einander an und verschmolzen
zu einer homogenen Einheit - auch wenn der eine oder andere
intonatorische Ausreißer nicht zu überhören war. Das Publikum war
trotzdem hellauf begeistert und erklatschte sich zwei hinreißende
Zugaben von Scheidt. (Stä)
Komponistenfrauen
Neue Zürcher Zeitung / Thomas Schacher 15.09.2004
Start der Reihe "Klubhaus-Akzente"
Nein, mit Komponistenfrauen sind nicht Kom-ponistinnen gemeint, sondern die Ehefrauen von Komponisten.
Armin Brunner, der künstlerische Leiter der Klubhaus-Konzerte, hat eine neue Veranstaltungsreihe ins
Leben gerufen. Sie nennt sich "Klubhaus-Akzente" und ist in der ersten Saison
dem Thema "Frauen" gewidmet. Die neue Reihe entstand aus den vor zwei Jahren eingeführten und vom
Publikum gut aufgenommenen Vorkonzerten zu den Klubhaus-Konzerten.
In vier Abenden werden vier Komponistenfrauen porträtiert, nämlich Anna Magdalena Bach, Lotte Lenya,
Alma Mahler und Cosima Wagner. Das Anliegen: Die Frauen von Komponisten standen stets im Schatten ihrer Männer; hier sollen sie im buchstäblichen Sinn ins Rampenlicht gestellt werden.
So weit, so gut. Doch der auf den ersten Blick feministische Ansatz ist eigentlich ein antifeministischer,
denn er zementiert das Bild von der ewig dienenden Rolle der Frau. Es gäbe ja auch Komponistinnen,
vielleicht sind die für die Saison 2005/06 vorgesehen.
Das erste Konzert war also Anna Magdalena Bach, der zweiten Ehefrau Johann Sebastian Bachs, gewidmet.
Man könnte den Anlass auch Lesung mit Musikbeispielen nennen. Im verdunkelten Kleinen Saal
der Tonhalle trug Anne-Marie Küster 18 von Hans Christian Schmidt-Banse nachgezeichnete Episoden
aus dem Leben der Frau nach: die Sängerin am Fürstenhof in Köthen, die Hochzeit mit Kapellmeister
Bach, der Umzug nach Leipzig, die Hausfrau, die Mutter, die Gehilfin des Gatten und schliesslich die
Witwe und "Almosenfrau". Das brillante Ensemble Bell'Arte unter der Leitung von Annegret Siedel illustrierte
die Stationen mit dazu passender Musik Bachs. Höhepunkte der sprühenden Wiedergaben bildeten das
fünfte Brandenburgische Konzert, drei Sätze aus der Orchestersuite in h-Moll und die von der
Sopranistin Susanne Ryden gesungene Hochzeitskantate "Weichet- nur, betrübte Schatten",
die eine Gegenwelt zum Kindersterben im Haus des Leipziger Thomas-Kantors darstellte.
Doch all die vorgetragene Musik porträtierte im Grunde nicht Anna Magdalena, sondern Johann Sebastian.
Die Spur derr Ahnen
Mitteldeutsche Zeitung / Meike Knoche 06.09.2004
Bachfest I: "Marienfeste" und Motetten aus dem Familien-Archiv
Köthen/MZ. Wenn man die Mutter Gottes nicht nur im stillen Gebet würdigt, sondern
auch mit musikalischen Mitteln feiert, kann daraus eine besondere Andacht entstehen.
Bei den Köthener Bachfesttagen aber führte dies vor allem zu einem außergewöhnlichen
Konzert-Programm, weil sich das Salzburger Ensemble Bell'Arte ausschließlich
den "Marienfesten" bei Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Sebastian Bach widmete.
- Rosenkranz-Sonaten -
Über den warmen Klängen des Continuo musizierte die Solo-Geigerin Annegret Siedel
vor allem in Bibers Rosenkranz-Sonaten virtuos und mischte zu verschiedenen Stimmungen
eigene, aber nicht minder volle und weiche Klangfarben. Ähnliches galt für
Martin Stadier, der zwischen der selten erklingenden Oboe da caccia und der Barockoboe
nicht ohne technische Probleme wechselte, sich aber doch ausdrucksstark
in die Klangbekenntnisse einreihte.
Dagegen schien der Gesang zeitweilig auf anderen Glaubenswegen zu schweifen.
Cornelia Samuelis brachte die innigen Gefühle zwar hell zum Klingen, hielt sich gestalterisch
aber eher zurück, während Wolf Matthias Friedrichs Bass die Schlosskapelle mit seinem
Stimmvolumen fast zu sprengen drohte. Diese Aspekte beeinträchtigten natürlich die
dramaturgische Raffinesse und stifteten nicht immer das gewünschte Ergebnis.
...(weiter über ein Motettenkonzert des Monteverdi Choir)...
Die Modernität der barocken Musik
Ostbayrische Rundschau / Dr. Christoph Bauer 09.07.2004
FaszinierendesKonzert mit dem Ensemble Bell'Arte in der Marienkirche
FREILASSING. Mit der intensiven Formel "Unser Mund war voll Lachens" akzentuiert das Alte Testament die
seltenen Augenblicke des erfüllten Daseins. Ahnungen eben davon erlebte man beim Musiksommer-Konzert
des Ensemble Bell'Arte Salzburg in der Marienkirche. Die Violinistin Annegret Siedel und ihre "banda",
Mechthild Werner (auf einer Barockvioline aus Venedig um 1770), Hermann Hickethier und Christian Zincke
(Viole da Gamba), Margit Schultheiß (Truhenorgel) und Armin Bereuther an der Violone boten eine Aufführung
höchsten Anspruchs.
Die "Impresaria" Annegret Siedel übrigens spielte dabei auf einer Geige aus Mittenwald vom Jahr 1743.
Das Programm galt den Musikern des Salzburger Musenhofs von 1630 bis etwa 1700 und gewährte eine
Perspektive der "fernen Nähe", der "fremden Vertrautheit" und der aktuellen "Antiquität".
Auf keinen Fall spürte man den Hauch des didaktisch Musealen. Bell' Arte führte vielmehr lebendig
engagierte "moderne" Klangrede exemplarisch vor. Faszinierend und packend, so vernahm man schon das
Eingangsstück, Heinrich Ignaz Franz Bibers "Sonata II in F" aus der Sammlung "Fidicinium Sacro-Profanum",
Musik die einen Pfad aus dem verhangenen Alltag in das Reich heller, "realistischer" Träume wies.
Für die Sopranpartien des Abends hatte man die Schwedin Susanne Ryden gewinnen können.
Mit dem flexiblen Timbre ihrer Stimme, der Festigkeit, energische Strahlkraft und Geschmeidigkeit
eignen, sang sie bezwingend Abraham Megerles (1607 bis 1680) kurze Kantaten "Gaudete et exultate" und
"Tristitia vestra". Letztere demonstrierte klar die "Rhetorik" der italienischen Schule und erinnerte
nicht von ungefähr an Monteverdis leidenschaftliche Traueraffekte.
Beeindruckend auch Andreas Hofers (1630 bis 1684) Psalmvertonung "Nisi Dominus aedificaverit domum".
Mit der "Sonata VIII in g" aus Bibers Sammlung "Sonatae tamaris quam aulis Servientes" - die also
liturgischen wie höfischen Zwecken im gleichen Grad "dienstbar" waren - endete der erste Teil
des Konzerts. Nach der Pause erklangen vier Sätze aus der "Parthia II in g", die Andreas
Christophorus Clamer (circa 1640 bis circa 1700) seiner "Mensa harmonica" einverleibt hatte.
Dieser Biber-Kollege schrieb Stücke, die, sich vor denen seiner berühmten Zeitgenossen Biber und
Muffat nicht zu verstecken brauchen. Die "Moresca" erklang als dezenter Maurischer Tanz und das
elegisch schöne Scherzo rundete die Pièce erfreulich ab.
Mit Matthias Siegmund Biechtelers (1669 bis 1743) Aria "Sancta Scholastica" und Bibers "Maria Jungfrau
zart" - erst unlängst wieder verfügbar geworden im Konvolut der Berliner Singakademie - vernahm man
Barocklyrik im vornehmsten Tönehabit.
Bibers "Marienaria" ist womöglich eine hinreißend in Töne gesetzte Salzbufger Variante des
"Ehrenpreis Mariae", des damals vielgesungenen "Sodalenliedes" von Jacobus Bälde. Dann galt es
Georg Muffat (1653 bis 1704) zu würdigen, den anderen Vertreter großer Klangrede am Salzburger Hof,
der wohl auch Bibers ganz scharfer Konkurrent war. Seine "Sonata II in g" aus "Armonico
tributo" präsentierte sich als Muster einer sehr anderen musikalischen Tradition, der
gallischen nämlich.
Die gravitätische Festlichkeit und der zeremonielle Gestus verwiesen auf Lullys Feudalstil.
Exzellent hier, aber auch durchgängig, die Continuo-Spieler. Mit Carl Heinrich Biber, des
begabten Sohnes des großen Vaters (1681 bis 1749), österlich hellem Jubelcantus "Regina
coeli laetare" den SusanneRyden mit noblem Inpetus und feinster Dynamik sang, klang das Konzert aus.
Das Gotteshaus war voll besetzt. Enormer Beifall wogte hoch. Die gern "konzedierte"
Zugabe war das "Regina coeli laetare" Von
Biber junior.
"Für Gott und die Welt"
Deggendorfer Zeitung / (rn) 03.07.04
Im Rahmen der Europäischen Wochen Passau gastierten hochkarätige Musiker in Oberalteich
Die diesjährigen Festspiele im Rahmen der 52. Europäischen Wochen Passau stehen unter dem Thema
"Für Gott und die Welt". Mit über 60 Veranstaltungen aus den Bereichen Oratorium, Messe,
Chor-, Solo- und Kammerkonzert, Musical, Tanz, Theater, Lesung, Film, Ausstellung, Vortrag und
Podiumsdiskussion soll das Thema "Europäische Kultur in Kirchen, Klöstern und Schlössern",
geistliche und weltliche Kultur, aus einem Zeitraum von mehr als 1000 Jahren den Menschen
nahegebracht werden.
Gut 150 Besucher besuchten das Konzert von "Bell" Arte Salzburg" unter der Leitung von Annegret Siedel
am Mittwochabend in der einstigen Klosterkirche von Oberalteich. Veranstalter war auch in diesem
Jahr wieder der Förderverein Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich.
In den Mittelpunkt gerückt wurden im Rahmen der 52. Europäischen Wochen auch die Veranstaltungsräume
in Sakral- und Profanbauten, mit denen unsere Region so vielfältig und zahlreich ausgestattet ist.
Auch die einstige Klosterkirche der Oberalteicher Benediktiner, die über 700 Jahre hinweg segensreich
in der Region gewirkt haben, kam bei diesem Konzertabend bei Gästen und Gastgebern so richtig zur Wirkung.
"Musik an den Höfen der Fürsterzbischöfe von Salzburg und der Fürstbischöfe von Passau" war heuer das
gut zweistündige Konzert in Oberalteich überschrieben, das unter der Leitung von Annegret Siedel
(Barockvioline) stand und von Mechthild Werner, ebenfalls Barockvioline, Hermann Hickethier
(Viola da Gamba), Christian Zincke (Viola da Gamba), Matthias Müller-Mohr (Violine) und
Margit Schultheiß (Orgel/Cembalo) in großartiger Manier mitbestritten wurde.
In Susanne Ryden stellte sich eine begnadete Sopranistin vor, die sich vom ersten Augenblick die
Herzen ihrer Zuhörer erobern konnte.
In dem Konzertprogramm des Oberalteicher Musikabends konnten die Besucher die Vielfalt und Qualität
der Barockmusik, die an den Höfen zu Passau und Salzburg komponiert wurde, erleben.
Der Passauer Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg berief Georg Muffat im Jahre 1690
an seinen Hof. Dessen Aufgabe war es, ein auf der Höhe der Zeit stehendes Orchester zu
formen und Musik für die verschiedensten repräsentativen Anlässe zu komponieren. In diesem Jahr
wird das Schaffen von Georg Muffat und Heinrich Franz Ignuz Biber aus Anlass ihres 300.
Todestages in besonderer Weise gewürdigt, erfuhren die freudig gestimmten Konzertbesucher.
Der Beilall zum Konzertende wollte und wollte kein Ende nehmen. Die begeisterter. Konzertbesucher
gaben sich zuerst nach drei Zugaben und vielen Verbeugungen seitens der sechs Musiker und nach
Blumengaben durch Prasentanten der Passauer Festspielwochen zufrieden.
Oberalteich hat wieder einmal einen Konzertabend erlebt, der noch lange nachklingen wird.
Die Kraft der Harmonik
Passauer Neue Presse / Helmut Gärtner 02.07.04
Bell'Arte präsentierte "Musik an den Höfen" in der Klosterkirche Oberalteich
Musik aus den süddeutschen und österreichischen Musikzentren des 17. und 18. Jahrhunderts, Salzburg und
Passau, war in der Klosterkirche Oberalteich/Bogen im Rahmen der EW zu hören.
Das Ensemble Bell'Arte aus Salzburg beschäftigt sich seit Jahren mit dieser sensiblen Musik und hat
sich im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf erworben.
Unter Leitung von Annegret Siedel
(Barockvioline) musizierten Mechthild Werner (Barockvioline), Hermann Hickethier und Christian Zincke
(Viola da gamba), Armin Bereuter (Violine) und Margit Schultheiß an der Truheorgel.
Zu Beginn von Heinrich Franz Biber die Sonate II in F, (1680), ein Werk, passend für den
liturgischen Gebrauch, aber auch als Tafelmusik; kurze Sätze mit eigenem, ausdrucksvollem Charakter,
im Sinne von Rede und Entgegnung bzw. Fortführung. Die Kraft der Harmonik, die Dichte und zugleich
Transparenz des Stimmgewebes sind in diesem Werk noch heute bewundernswert. Da besticht zum einen
der goldgetönte Klang in Ensemble-Qualität, aber auch die analytische Klarheit, wie sie etwa einem
Streichquartett zu eigen ist.
Nach diesem bedeutenden Komponisten kamen einige "Kleinmeister" zu Wort: Steffano Bernardi mit einer
Canzone für zwei Violinen und Basso continuo (1605), Andreas Chr. Clamer mit Parthia III in
g-Moll (1670), und Matthias S. Biechteler mit einer Suite in d-Moll (1705).
Vielen Komponisten aus dieser Zeit sind einige Lehrjahre in Rom, z. B. bei
Frescobaldi, deutlich anzuhören: Das Bemühen, die inneren Werte der Musik Ton werden zu lassen,
dazu die vollendete Einheit von Klang und Inhalt - italienische Eleganz leuchtete auf.
Die schwedische Sopranistin Susanne Ryden brachte u. a. "Gaudete et exultate" (1655) von
Abraham Megerle zum Vortrag, ein typisch barocker Festjubel, der in ein Halleluja einmündet,
Andreas Hofers "Nisi Dominus" (1655) und Bibers "Regina coeli", wobei alles, was die
Leidenschaft der Stücke melodisch, harmonisch, und in den Akzentuierungen erzeugt,
perfekt ausgearbeitet erschien. Der musikalische Tonfall dieser Künstlerin blieb
gefiltert wie aus einer Diskretion, einer Bescheidenheit heraus, Farben waren nicht
dick aufgetragen, es wurde weder tragisch gegrollt, noch dramatisch aufgetrumpft.
Hohes Niveau und breite Resonanz treffen hier glücklich zusammen. Am Ende Georg
Muffats (zum 300. Todestag) klangprächtige Sonata II in g (1690) aus "Armonico tributo".
Konzerte der 6.Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tage
Dresdener Neue Nachrichten / Sybille Graf 22.09.2003
Wege zum und mit dem Sagittarius / Nachtkonzert mit Musik von Vorbildern von Schütz
.....Musik wie sie Heinrich Schütz während seiner Italienaufenthalte gehört und sich angeeignet hat,
spielte das Ensemble Bell' Arte Salzburg im Nachtkonzert am Sonnabend in der Frauenkirche.
Girolamo Frescobaldi, Francesco Turini ode Claudio Monteverdi sind nur die bekannteren unter
den insgesamt 13 Namen im Programm.Den unermesslichen Reichtum, den Schütz an deren
(und anderen ) Kompositionen kennenlernen konnte, ließen die vier Musiker - Annegret Siedel
und Mechthild Werner (Barockvioline), Thomas Boysen (Chitarrone) und Hermann Hickethier
(Viola da gamba) - auf wahrlich brillante Art auferstehen.
Ob das herrliche Konzertieren in Giovanni Battista Buonamentes "Ballo del gran Duca",
die delikat und mit viel Drive gespielten tanzsätze in Monteverdis "Balletto in d" oder das klug
herausgarbeitete antiphonale Prinzip der Canzon von Johann Stadlmayer, stets erlebte man ein leichtfüßiges,
doch stringentes Musizieren, den gemeinsamen Atem, organische Tempowechsel und schlüssige Phrasierungen.
Sehr virtuos auch die solistischen Stücke: eine Diminuation für Gambe von Girolamo della Casa,
eine Sonate für Violine von Giovanni Paolo Riccioi, eine Madrigal-Diminuition von Johann Schop
sowie ein aus der Feder von Giovanni Girolamo Kapsberger stammendes Solo für Chittarrone.
Letzteres avancierte für mich zum heimlöichen Hit mit seiner fast geheimnisvoll wirkenden Arpeggiata
als erstem "Satz"und der unheimlich modern, manchmal exotisch, mal jazzig wirkenden Anlage -
alles Details, die von Thomas Boysen shr intensiv in Szene gesetzt wurden.
Geistliche Musik von exotischem Klang / Wege zu Heinrich Schütz
Sächsische Zeitung 22.09.2003 / Jens Daniel Schubert
Mehr als nur ein historischer Exkurs in eine ferne Welt
.....Im Nachtkonzert in der Frauenkirche bot dann das Ensemble "Bell Arte Salzburg'
virtuose Instrumentalmusik aus der Zeit vor Schütz. Faszinierend war die Fülle der
Formen und die Lebendigkeit der Gestaltung.
Mehr als ein historischer Exkurs in eine ferne Welt!
Anderthalb Stunden musizierten Annegret Siedel und Mechthild Werner, Barockvioline,
Thomas Boysen, Chitarrone und Hermand Hickethier, Viola da Gamba, ohne dass man nur
fünf Minuten missen möchte. Exquisite Virtuosität der Einzelnen verband sich mit
ausgefeilter Interpretation und stilvoller wie vielschichtiger Gestaltung.
Obgleich das Programm wie eine Lehrstunde die breite Palette der Musizierformen der
Zeit entfaltete und Annegret Siedel in kurzen Worten auch darauf hinwies, entstand
niemals der Eindruck einer historischen Exkurses in eine ferne Welt.
Das Spiel der vier. Musiker erschien immer unmittelbar, aus Musizierfreude geboren
und zeigte so in berührender Weise Wege zu Schütz, die keine Einbahnstraße sind.
Von Traumstätten und Phantsiewelten
DIE WELT 5.8.2003
Jubel auf dem grünen Hügel des Nordens
....Das Motto "Von Traumstätten und Phantasiewelten" brachte die Musik der
Kulturmetropolen Venedig, Paris und Budapest an die Elbe.
Zur Belohnung gab's zum Festivalschluss reines barockes Glück:
Susanne Rydén sang Kantaten von Clérambault und Rameau mit der geläufigen Gurgel
der Barockexpertin und mit jenem instrumental geführtem reinen und geraden Sopranton,
der die Klangrede der Alten Musik zum Ereignis werden ließ. Mit dem Opernpasticcio
"Satyrn in Arkadien", in dem Telemann eigene Werke mit Musiken seiner Kollegen Erlebach,
Keiser und Reincken amalgamierte, begeisterte Susanne Rydén selbst hartgesottene
Opernfreunde... kra
Barocke Phantasiewelten / In den Gärten barocker Musik
Elbe Jeetzel Zeitung 5.8.03/ T.Janssen
Schlusskonzert der Sommerlichen Musiktage mit Susanne Rýden und Bell'Arte
tj Hitzacker. Die Reise ist zu Ende. Zum Abschluss ihrer Ausflüge in Traumstädte
und Phantasiewelten boten die Sommerlichen Musiktage am Sonntag im Kurhaus Hitzacker ein Konzert,
das zu frühen musikalischen Beschreibungen innerer, psychischer Welten führte, die das bürgerliche
Konzept von Individualität bis heute mitprägen. Eine Reise zu den "Jardins de Cythere", in jene
barocke Welt der Liebe, die in den Gärten des mythischen Kythera beheimatet ist. Die im Inneren
des Menschen liegen: "In meiner Brust hab ich sie schon", heißt es im Rezitativ zur Telemannschen
Arie "Amor thront", die diese Welt des Gefühls beschreibt und am Schluss des Programms erklang.
Dessen zweiter Teil ein Pasticcio war, eine jener spontan zusammengestellten Folge vokaler und
instrumentaler Musik verschiedener Komponisten, wie sie im Barock geläufig waren. Für die Sopranistin
Susanne Ryden und das Ensemble Bell'Arte aus Salzburg war die in den unterschiedlichen Personalstilen
begründete Vielfalt Gelegenheit, vielen Facetten ihres Könnens freien Lauf zu lassen. Von traurigen
Affekten bestimmte, schlichte Lamenti wie "Was quälet mein Leben" und "Meine Seufzer" von Heinrich
Philipp Erlebachs, die Susanne Ryden mit innigem Ausdruck sang, standen neben bewegten Stücken wie
dessen "Amor, eile". Den Kontrast, der bei dieser Arie aus den reichen und bewegten, glänzend gesungenen
Verzierungen am Beginn,jeder Strophe und den folgenden verspielten Tempowechseln entsteht, faszinierte.
Als souveräne Koloraturehgestalterin zeigte sich Susanne Ryden auch bei Erlebachs "Glückliches Fügen".
Was alle diese Stücke verband, war die lichte Transparenz, mit der die Sängerin, die beiden Violinistinnen
Annegret Siede! und Mechthild Werner. die Gambistin Irene Klein und Christian Horn an der Violone die
Musik gestalteten. Ob als dezent akzentuierende Begleitung oder bei Instrurnentalstücken - das Ensemble
Bell'Arte spielte die pulsierenden Bewegungen der barocken Klangwelt mit artikulatorischert Vielfalti
leiser Dezenz und einer,genau abgestimmten Mischung von Fließen und Fra.gmentierungen des Klangs,
wie sie die Musik jener Epoche erfordert. Dass Bell'Arte auf historischen Instrumenten spielt,
erübrigt sich fast zu sagen - die feine und etwas rauhe Klangcharakteristik gab der Musik ein
superbes Aroma.
Die Vielfalt der musikalischen Welten des Barock machte auch der erste Teil des Programms mit Musik
aus Frankreich deutlich. "La Steinkerque" von Francois Couperin ist ein bewegtes und musikalisches
Schlachtenge mälde, es bot den Instrumenta1listen viele, Chancen, ihre leise Virtuosität auszuspielen.
Mit Raffinement und delikater Farbgebung sangen und spielten Susanne Rýden und Bell'Arte Louis-Niocolas
Clerambaults Kantate ‚L'Amour pique par une abeille" ("Der von einer Biene gestochene Amor"), im Ansatz
ähnlich folgte Jean Philippe Rameaus Kantate "Orphee deren Arie "Que bruit de tes hauts. Exploits"
allerdings verlor der Klang streckenweise an Geschlossenheit.
Dennoch: Insgesamt ein gelungener Ausklang des Festivals. Zwar war das Kurhaus nur noch halb voll
besetzt - die wohl kleinste Besucherzahl in dieser Festivalwoche -, viele der Gäste wären wohl schon
auf der Reise zurück in den Alltag. Die noch geblieben waren, waren begeistert: Mit vielen Bravos
klang das Festival aus.
Barocke Phantasie
Landeszeitung 5.8.03
Abschlusskonzert der 58. Sommerlichen Musiktage Hitzacker
Hsp Hitzacker. Eine geballte Fassung französischer Barockmusik gegen ein "Pasticcio" deutscher
Barockmeister: Das Schluss-Spiel bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker endete 0: 1 für
Deutschland. ohne Patriotismus: Arg abwechslungsreich stellte sich die Musik aus Frankreich nicht dar.
Sie ist, wie Barockexperten meinen, zu formalistisch, weil sie stets um den französischen Hof,
inbesondere um Ludwig XIV, den"Sonnenkönig", kreiste.
War der zufrieden, so war auch die Musik anerkannt. Es bestand kein Grund, sich besonders anzustrengen
weil im weiten Land kaum Bedarf für höfische Musik bestand. Ganz anders in Deutschland: Ein Fürst oder
König wetteiferte mit dem anderen, wollte, dass auf seinem Hofe die bessere Musik produziert würde.
Geld spielte eine geringe Rolle. Man warb sich gute Musiker gegenseitig ab, protzte mit deren Namen
und kompositorischer Ergiebigkeit.
Wie Georg Philipp T'elemann, den sich die Hansestadt Hamburg leistete, um die Musik an den fünf
Hauptkirchen zu leiten und zu beflügeln. Denn Telemarm war ein außerordentlich fleißiger Komponist,
nicht nur bei der Kirchenmusik. So steuerte er dem Thema des Hitzacker-Abends - "Dans les jardins de
Cythere / Barocke Phantasiewelten" - Kantaten mit so kühnen Titeln wie "Ergrinuntes Geschick" oder
"Amor thront" bei. Barocke Phantasiewelten beschwor auch Johann Adam Reincken, Gründer der Hamburger
Oper.
Auch der Ostfilese Philipp Heinrich Erlebach steuerte dem weltlichen Programm Rezitative und Arien
über Seufzer" und "Glückliches Fügen" bei. Erlebach, der Opern und Oratorien, Lieder, Motetten und
Kantaten schrieb, lehnte sich stilistisch sehr an den Musikmeister am französischen Königshof,
Jean-Baptiste Lully an, der in Hitzacker nicht vertreten war. Dafür war eine recht kriegerische
Musik von Francois Couperin zu hören, dessen Verdienst es ist, französischen Stil mit italienischer
Musik verschmolzen zu haben, und der nebenbei auch Kammermusiker des Sonnenkönigs war. Noch weiter hat
es Jean Philipp Rameau gebracht, der eine Kantate mit Symphonie beisteuerte aus reichem Fundus.
Denn Rameau war immerhin Kammerkomponist bei Ludwig XV..
Der thematisch geschlossene und interessante Abend wurde gestaltet von den Spezialisten des
"Ensemble Bell' Arte" aus Salzburg mit Annegret Siedel und Mechthild Wemer (Barockvioline),
Irene Klein (Viola da gamba ), Christian Horn ( Violone) und Zvi Meniker (Cembalo). Trotz dieser
famosen Musiker wäre der Abend wohl doch recht akademisch geraten, wenn da nicht Susanne Ryden
gewesen wäre: eine begnadete Koloratur-Sopranistin. In präziser Diktion lehrte sie, dass Französisch
eine durchaus kantable Sprache ist - und wo die Wurzeln des Chanson zu finden sind. Viel Beifall wurde
mit einer französischen Arie belohnt.
Kronjuwelen der Barockmusik
Traunsteiner Tageblatt 5.7.2003 / Dr. Christoph Bauer
Musiksommer mit dem Ensemble Bell 'Arte in der Marienkirche Salzburghofen
Die Alte Musik hat einen treuen, zunehmend größeren Freundeskreis gewonnen.
Wer etwa die Sonaten aus den "Rosenkranz- oder Mysteriensonaten" des Heinrich Ignatz
Franz Biber (1644 bis 1704) hört und von dieser geistdurchwirkten Klangwelt nicht
ergriffen wird, der ist ziemlich arm dran.
In der Salzburghofener Marienkirche eröffnete das Salzburger Ensemble Bell'Arte,
bestehend aus Anhegret, Siedel. (Barockvioline), Margit Schultheiß (Barockharfe),
Michael Spengler (Viola da Gamba) sowie Michael Freymuth (Chitarronie) d
en Musiksommer-Abend mit "Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat" a
us eben diesen Mysteriensonaten. Etwas, später folgte dann "Jesus, der Dich,
oh Jungfrau im Himmel gekrönet hat". Bei beiden Stücken akzentuierte zumal
Frau Siedel, der ja der musikalische Hauptpart zugewiesen ist, Frömmigkeit,und
Esprit des Salzburger Barocks und spielte auf ihrem Instrument (einer Klotz-Geige)
in gedämpftem . Jubel die Glaubensgeheimnisse aus.
Auch die anderen Exempel des kompetent, ausgesuchten Programms stammten von (ungefähren)
Zeit enossen Bibers, darunter einigen, die.zu Unrecht nur noch in den Fachlexikas "
lebendig" sind. Dazu gehörten die geschmeidige Ciacona in D des Samuel Capricornus
(1628 bis 1665) aus Mähren und die Triosonate des Philipp Friedrich Büchner
(1614 bis 1669), eine fürehm getragene, nicht "witzlose" Piece. Beide Stücke erklangen
in schwungvoller, präziser Artikulation.
Nach der Pause spielten- die Musiker - bei .denen sich bekanntlich jedes Einzellob
erübrigt - die Sona:ta in d-Moll des Stuttgarter Stiftsorganisten Philipp Friedrich
Böddeker (1607 bis 1683) und von Johann Philipp Krieger (1 649 bis 1725) einem Schüler
von Johann Rösenmüller eine Triosonate in G - mit einem herrlich flotten Presto-Satz.
Die Reihe der barocken Kronjuwelen rundete sich mit Georg Muffats (1653 bis 1704) S
onata in D für Violine und Basso continua. Der Schüler Lays und Corellis amtete
in Salzburg zeitweise neben Heinrich J. F. Biber. Das Stück atmete feudale Noblesse
und erinnerte in Partien an Bach und Händel. So erklang deutlich das Motiv
"Hoch tut euch auf, ihr Pforten der Welt" aus dem "Messias". (Dort ist es Chor Nr. 31 1)
Muffat war da bestimmt nicht der "Parodist"!
Der Theologe und Rhetor Bernd Hüsers zäsierte den Abend nüt Lyrik aus dem Barock,
vor allem der.schlesischen Dichterschule entstammend: Gryphius, Fleming, Hofmann von
Hofmannswaldau, aber natürlich auch von Paul Gerhard. Besonders eindrücklibh: "Kommmt
Trost derNacht-ohNachtigall! " von Grimmelshausen.
Das Konzert war gut besucht. Intensiver Beifall schwoll an als Dank für eine Musik,
die nach den Worten des - Psalmisten - "in das Weite führte" und "der Seele Erquickung
bereitete". Eine.Wort - und eine Musikzugabe!
Bell'Arte lieferte Auftakt nach Maß (zu Matthias Klotz 350. Geburtstag)
Münchener Merkur (Mittenwald und oberes Isartal) 5.6.2003 / Gerd Rößler
Eröffnungskonzert in St. Peter und Paul einmaliges Klangerlebnis
Bei Annegret Siedel in besten Händen: die Geige von Georg Klotz,
die Dienstagabend in der Pfarrkirche erklang.
Mittenwald- HöfischeMusik, wie sie im 17. Jahrhundert im süddeutschen Raum gespielt wurde,
erklang beim Eröffnungskonzert für die Matthias-Klotz-Festtage in St. Peter und Paul
in Perfektion. Das Ensemble "Bell'Arte Salzburg" mit der typischen Besetzung Violine
(Annegret Siedel), Barockharfe (Margit Schultheiß), Viola da gamba (Michael Spengler)
und Chitarrone (Mchael Freimuth) lieferte so einen Auftakt nach Maß.
Denn genau für diesen Markt fertigten Klotz und seine Schüler ihre Instrumente.
Schon beim Stimmen erweckte die Chitarrone, eine etwa zwei Meter lange Laute mit
15 Saiten besondere Neugierde. Freimuth, offenkundig virtuos auf einer Reihe
historischer Instrumente, entlockte ihr erstaunlich differenzierte Klangbilder.
Die Komponisten wiesen diesem Instrument vorwiegend die Aufgabe des Generalbasses zu.
Klanglich bestens passt dazu die Barockharfe, die auch ohne Pedale viele Möglichkeiten
bietet und die die Harfenistin voll nutzte. Ein eher leises Instrument ist die
Viola da gamba, welche von Spengler nuanciert und zart gespielt wurde.
Im hinteren Teil der Kirche dürfte das allerdings auf Grund der akustischen Gegebenheiten
nicht voll angekommen sein.Wenn ein solches eher sanft intoniertes Ensemble von der Geige,
die klar die Führungsrolle hat, nicht gesprengt werden soll, dann darf diese nicht zu
dominant sein. Hinreißend war schon die erste Kostprobe barocker musikalischer
Experimentierfreude, eine Sonate des Salzburgers Heinrich Biber, bei der die Violine zur
Erhöhung des Ausdrucks umgestimmt ist.
Die Violine von Georg Klotz, einem Sohn des berühmten Geigenbaubeauers, wurde von Annegret
Siedel erst ab dem nächsten Stück, einer Ciacona von Samuel Capricomus, eingesetzt,
und sie übertraf klanglich alle Erwartungen. Dem Ensemble dienend und doch klar
führend füllte sie den Raum mit ihrem warmen Ton. Die Vielfalt barocker Kompositionen
wurde mit Werken von Theodor Schwartzkopff, Philipp Buchner, Rupert Mayr, Philipp Böddecker,
Johann Krieger und Georg Muffat, wieder einem Salzburger Meister, vorgeführt.
Nach entsprechend kräftigem Beifall gab es als Zugabe noch eine Kirchensonate von Johann Baal.
Auf die Frage, warum die Gruppe "Salzburg" im Namen führt, wo doch jedes Mitglied eindeutig
norddeutsch spricht, antwortete die Ensemblechefin: "Wir lieben gerade die Musik, die dort
am fürsterzbischöflichen Hof gespielt wurde. Bell'Arte Salzburg sorgte dafür, dass diese
Zuneigung ansteckend war.
Klänge von ungewöhnlichem Reiz
Süddeutsche Zeitung (Fürstenfeldbrucker SZ) / 29.4.03 Dr. Arno Preiser
Musikhaus Marthashofen im Zeichen der Salzburger Meister Muffat und Biber
Das 48. Konzert in Musikhaus Marthashofen galt dem 350. Geburtstag von Georg Muffat,
der am 1. Juni 1653 Megeve (Savoyen) getauft wurde. Es galt aber auch dem Kammermusik-Hauptwerk
des anderen großen Salzburger Meisters jener Zeit, Heinrich Ignaz Franz Biber. Als Interpreten
war das 195 gegründete Ensemble " Bell' Arte" ebenfalls aus Salzburg angesagt, was das Programm
ideal abrundete, wie der enorme Besucherandrang zeigte. Der Titel lautete "Hoffnung des
Lebens - der glorreiche Rosenkranz". Von Bibers 15 Rosenkranzsonaten von 1674 wurden am
Weißen Sonntag die ins Kirchenjahr passenden vorgestellt.
Annegret Siedel (Barockvioline), Arno Jochem (Viola da Gamba) und Margit Schultheiß
(Barockharfe) boten eine nicht alltägliche Instrumentenkombination. So konnten sie dem
Anschein nach simple Originalbesetzung (Violine und Generalbass) mit ungewöhnlichem,
erlesenem Klang verwirklichen.
Als Ergebnis des Zusammenspiels mit Harfe und Gambe - ebenfalls Instrumente historischer
Aufführungspraxis - waren Klänge von ungewöhnlichem Reiz zu erleben.
Was einst als Meditationsmusik für Gebetsbruderschaften und Kongregationen,
insbesondere Marianen , bestimmt war, beeindruckt in solch werkgetreuer Wiedergabe
auch ein heutiges Publikum. Das begann mit der Sonate von der Auferstehung Jesu,
wo der Choral "Erstanden ist der heilig Christ" gleich im Vorspiel erscheint.
Dieser kunstvollen Wechselrede folgt eine Passacaglia mit acht Choralvariationen.
Bei der Sonate von Christi Himmelfahrt verdeutlicht der Violinpart das Wunder mit
aufsteigenden Tonleiterfolgen. Die Interpretin suchte den Triumph des Einzugs Christi
in den Himmel, so gut das überhaupt möglich ist, mit Fanfaren- und Bläserton d
arzustellen - ein Fest, zu dem einfacher wiederzugeben, Allemande- und Courante-Tanz
gehören.
Beim zu schildernden Pfingstwunder schien die Geigerin ganz in ihrem virtuosen Element.
Mit wirbelnden Terzen entsprach sie dem hier wehenden Wind, den sie noch steigerte.
Freudig gestimmt schienen bald danach Gavotte, lebhafte Gigue und gemessene Sarabande.
Mit einer Chaconne bereichert Biber die Sonate von der Himmelfahrt der Maria. Aria und
Canzone, Teil der Sonate von Maria Krönung durch Christus, erschienen singlich aufgefasst.
Damit rundete sich die Auswahl eines großartigen Zyklus ab.
Von Georg Muffat musizierte das Trio die Sonate D-Dur. Wenn das einleitende Adagio
am Schluss wiederholt wird, soll dieser gewichtig dargestellte Satz den Anfang
und das Ende eines Menschenlebens symbolisieren. Dem Auf und Ab verschiedener
Lebensstadien entsprach das Ensemble mit einem äußerst lebhaftem Allegro im
Triolenrhythmus. Das Adagio dazwischen kennzeichneten Modulationen in kühner Harmonik.
So erschien auch Muffat als ein Biber ebenbürtiger Neuerer.
Grafrath / Marthashofen - Kurzweiliges Mysterium
Süddeutsche Zeitung / Fürstenfeldbrucker S.Z. / 29.April 2003 Klaus Mohr
Bibers Rosenkranzsonaten mit 'Bell Arte Salzburg
Als Papst Johannes Paul II. Das Rosenkranzgebet im Oktober 2002 neu beleben wollte,
rückte dieses weithin fast vergessene Meditationsgebet neu ins Blickfeld der Öffentlichkeit.
Heinrich Ignaz Franz Biber, der am Salzburger Hof in der Generation vor Bach und Händel
tätig war, hat in seinen "Rosenkranzsonaten" der in den Texten verborgenen Mystik auf
musikalische Weise nachgespürt. In den 15 Sonaten für Violine und Generalbass wird für
jedes Werk eine andere Stimmung der Geigensaiten ("Scordatura") verlangt, die als musikalische
Deutung des Rosenkranzmysteriums zu verstehen sind: das gewohnte Notenbild divergiert vom
Klang, neue und sonst nicht mögliche Variantendes Doppelgriffspiels werden möglich
und das gewohnte Obertonspektrum des Instruments verändert sich.
Mit Harfe und Gambe
Unter dem Motto "Hoffnung des Lebens - der glorreiche Rosenkranz" gastierte das
Ensemble "Bell Arte Salzburg" am Sonntag im Musikraum Marthashofen, um die fünf Sonaten
aus Bibers Zyklus, die die Zeit zwischen Ostern und Mariae Krönung zum Inhalt haben, erklingen
zu lassen. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser sehr speziellen Musik blieb in
Marthashofen kein Stuhl frei. Gegenüber mancher Aufführung in einer Kirche, bei der meist
die Orgel den Generalbass übernimmt, überraschte hier die Besetzung dieses Parts mit
Margit Schultheiß (Barockharfe) und Arno Jochem (Viola da Gamba).
Annegret Siedel musizierte auf verschiedenen süddeutschen Violinen, denen sie ganz
hervorragend ihre klanglichen Eigenarten entlockte.
In der am Beginn vorgetragenen Sonate XI in G "Jesus, der von den Toten auferstanden ist"
stand ein Auferstehungschoral im Mittelpunkt, der zum Schluss des Stücks unisono gespielt
wird. Davor beeindruckte die Zahl der figurativen Variationen und die tonschön genommenen
Doppelgriffpassagen über das Thema bei der Geigerin.
Eine Umsetzung der Textinhalte in der Art von "Programmmusik" fand sich immer wieder
in den Sonaten: Aufsteigende Tonleitern in einer festlichen Intrada komponierte Biber zum
Thema Christi Himmelfahrt, Trillerketten und tremolierende Tonwiederholungen symbolisierten
das Wirken des Heiligen Geistes an Pfingsten.
"Bell' Arte Salzburg" musizierte fließend und organisch schwingend in den Tanzsätzen,
mit großer Verve bei den Arpeggien der Geigerin, klangvoll und auch virtuos in den
imitatorisch angelegten Abschnitten . Daraus ergab sich eine in sich schlüssige I
nterpretationslinie, die in der Farbigkeit der Darstellung und in der Auslotung
klanglicher Gegensätze äußerst kurzweilig geriet.
"Hoffnung des Lebens-der Glorreiche Rosenkranz" im Sommersaal des Bosehauses
Leipzig-Almanach / 23.4.03 Johannes Wilde
„Zur absonderlichen Erquickung des Gehörs componirt“
In unserer aufgeklärten, rational durchtechnisierten Welt von heute gibt es sie kaum noch,
die Mysterien, die geheimnisvollen Dinge, welche man weder erklären noch begründen kann.
Und doch gehört auch das Undefinierbare, nicht in Formeln zu Pressende, Transzendente,
der kühlen Analytik Unzugängliche, zu unserem Leben.
„Die Geheimnisse der Lebenspfade darf und kann man nicht offenbaren“ sagt Goethe.
Aber man kann sie mittels der Kunst vielleicht zum Sprechen bringen und dem Herzen
erfahrbar machen.
Nichts anderes dachte sich wohl auch Heinrich Ignaz Franz Biber, als er seine Mysteriensonaten
komponierte – bezeichnenderweise nicht als liturgisches Werk für den gottesdienstlichen Gebrauch,
sondern einerseits als virtuose, allerlei neuartige und höchst expressive Effekte ausprobierende
Violinmusik, andererseits als beschaulich-meditative Kammermusik, deren Erscheinungsbild jedoch
hauptsächlich durch profane Tanzsätze charakterisiert ist. Wenngleich an einigen Stellen ein
gewisser Pathos nicht fehlt, so begeistert Biber in diesem Zyklus vor allem durch den
unaufdringlich-kunstvollen Umgang mit der Violine und die zahlreichen klanglichen Effekte,
die er aus ihr herauszaubert. Ein wichtiges Gestaltungsmittel, dessen er sich dabei bedient,
ist die Technik der scordatura. Durch das Umstimmen der Geige in untypische Intervalle
entstehen ganz ungewöhnliche Zusammenklänge und Klangfarben, die beispielsweise in der
„Himmelfahrts-Sonata“ XII den Eindruck von Fanfaren und Trompeten erwecken.
All die inhaltliche und gestalterische Vielschichtigkeit dieser Musik erscheint bei Annegret
Siedel und ihren Begleitern Margit Schultheiß und Arno Jochem in sehr guten Händen. Vielleicht
könnte das eine oder andere sicherer und mancher langer Ton mit glatterem Bogen daherkommen.
Doch wie die Künstlerin Farben nachspürt, die Musik atmend durchlebt und keinen Ton, keine
Phrase dem Zufall überlässt, lädt den Zuhörer ein, den musikalisch dargestellten Sonnenaufgang
oder den gewaltig brausenden Wind nur als Ausgangspunkt für eigene Bilder und Assoziationen zu
nehmen und so die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik durch das eigene Erleben aufzunehmen und
zu erweitern.
Neben der Skordatur-bedingten Gelegenheit, sehr verschiedene alte Geigen an diesem Abend hören
und in ihren Eigenarten entdecken zu können, zahlt sich der wechselnde Einsatz der Orgel bzw.
der Barockharfe im Continuo vielfach aus. Vor allem letztere bewirkt ein sehr intimes Klangbild,
das gemeinsam mit den Tönen der Gambe ein zartes Gewebe unter und um die Violine bildet und
in den Tanzsätzen eine stille Fröhlichkeit entfacht.
Die abschließend gespielte Sonata in D von Georg Muffat ist nach den eher programmatisch
orientierten „Mysterien-Sonaten“ eine barocke Kostbarkeit aus dem Bereich absoluter Musik,
jedoch in Harmonik und Gefühlswelt nicht weniger kühn und expressiv als Bibers Kompositionen.
Dass diese wunderschöne und leider viel zu unbekannte Sonate Annegret Siedel und Bell'Arte sehr
am Herzen liegt, hätte man dem Ensemble auch ohne vorherige Erwähnung abgenommen, denn eine
makellose, tief ansprechende und phantastisch ausmusizierte Interpretation erzählt von langer,
gründlicher Auseinandersetzung mit dem Stück und einer starken Verinnerlichung.
Im Inneren bewegt und erhoben von herrlicher Musik, die „nur zur absonderlichen Erquickung des
Gehörs componirt worden“ ist, begibt sich der Hörer schweren Herzens in unsere laute und
geheimnislose Welt zurück.
"Hoffnung des Lebens-der Glorreiche Rosenkranz"
Mitteldeutsche Zeitung / Weißenfelser Zeitung 25.4.03 Henrike Rucker
Bibers Mysteriensonaten im Heinrich-Schütz-Haus
Als zum Ostermontag im Heinrich-Schütz-Haus das Ensemble Bell´Arte Salzburg gastierte,
strömten wieder zahlreiche Besucher in die Musikergedenkstätte. Auf dem Programm stand eine
besondere Rarität - die Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber. Dieser geniale
Komponist und Violinvirtuose stammte aus Böhmen, war ein Zeitgenosse des Weißenfelser Kapellmeisters
Johann Philipp Krieger und wirkte am Hofe des Erzbischofs in Salzburg. Hier setzte er vor allem
in der Violinmusik neue Maßstäbe und führte sie zu einer vorher nie gekannten Virtuosität und
Ausdruckstiefe. Um 1675 entstanden Bibers Kirchensonaten nach den Mysterien des Rosenkranzes.
Die fünf Sonaten des "glorreichen Rosenkranzes" widmen sich den biblischen Geschehnissen und
Verheißungen von Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Maria Himmelfahrt und Maria Krönung und erklangen
im Konzert mit Bell´Arte Salzburg. Das Ensemble um die Barockgeigerin Annegret Siedel widmet sich
seit Jahren erfolgreich der Musik süddeutscher und österreichischer Komponisten des 17. und 18.
Jahrhunderts. Bei den Rosenkranz-Sonaten übernahmen Margit Schultheiß und Arno Jochem das Continuo
in der reizvollen Besetzung Barockharfe und Viola da gamba.
Annegret Siedel spielte die
Biber-Sonaten und eine weitere Sonate von Georg Muffat auf sechs verschiedenen historischen
Geigen. Jede der Mysteriensonaten verlangt eine andere Stimmung (Skordatur) der Violine, welche
den Klangcharakter im Dienste des Ausdrucks verändert. Wer an diesem Abend auch die enormen
Anforderungen an Technik und Kondition erlebte, dem wurde klar, warum die Sonaten so selten
im Konzert zu erleben sind. Annegret Siedel wurde diesen Anforderungen in bewundernswerter
Weise gerecht. Mit erstaunlicher Virtuosität meisterte sie die schwierigsten Doppelgriffe,
Sprünge und Läufe. Ihr Spiel ist von großer Intensität und Gestaltungskraft und traf stilsicher
den festlichen und gar nicht so heiligen Charakter der Musik, die vielmehr lebhaft pulsierend,
expressiv und oftmals ausgelassen tänzerisch daher kam. Margit Schultheiß und Arno Jochem musizierten klanglich edel und fein abgestimmt, leuchteten hin und wieder mit
konzertierenden Motiven auf, boten der Violine vor allem aber das tönende Gefäß, in dem sie sich
frei entfalten konnte.
Zum Verständnis der Musik trugen wesentlich die von Annegret Siedel
ausgewählten Bibeltexte und geistlichen Dichtungen bei, welche von Erdmuthe Müller-Taube
einfühlsam und nachvollziehbar vorgetragenen wurden. Das ausführliche Programm bildete unter anderem
auch die Kupferstiche ab, die von Biber original jeder Sonate vorangestellt wurden.
Die Musiker beendeten das Konzert mit der glanzvollen Sonate in D von Georg Muffat,
die in besonderer Weise sowohl das faszinierende Können und die ansteckende Spielfreude der
drei Musiker als auch den unglaublichen Hochstand dieser Musik zur Geltung brachte. Begeistert
bedankte sich das Publikum mit herzlichem, lang anhaltenden Beifall für ein außergewöhnliches
Konzerterlebnis.
Erlesenes am Tag danach
Allgäuer Zeitung 4.9.2002 (Kultur am Ort) Stefan Dosch
In den Konzerten gibt's bei Klang und Raum keine Montagslaune
Montag ist der Tag des Durchatmens beim Irseer Musikfestival Klang & Raum. Die großen Chor-
und Orchesterschlachten des Wochenendes sind geschlagen, die Scharen, die in die Kirchenkonzerte
konzerte strömten, haben sich verzogen. Es ist der Tag der intimen Kammeraufführungen,....(Ausflug nach EAggenth).....
Am Abend dann wieder zurück in Irsee, der Auftritt des Bell'Arte Ensembles und
der Sopranistin Emma Kirkby im Festsaal des Klosters. Zum vierten Mal nun war die Engländerin,
seit einem Vierteljahrhundert eine der herausragendsten Fachvertreterinnen in der
Originalinstrumentenszene, zu Gast bei Klang & Raum. ....
.....Vorzüglich getragen wurde Kirkby vom Bell'Arte Ensemble. Farbig der Continuo, in dem um den
Fixpunkt der Chitarrone ein steter Wechsel zwischen Truhennorgel und Barockharfe einerseits sowie
zwischen Bassgambe und Lirone herrschte. Von den beiden Geigerinnen war vornehmlich Johann
Rosenmüllers e-Moll-Sonate ausdrucksstark modelliert.
Zweifelsohne ist das Ensemble eine Entdeckung für Klang & Raum.
FINALE / Emma Kirkby mit Marienliedern
Bonner Generalanzeiger 2.September 2002 Norbert Stich
Musikalische Glanzlichter zum Abschluss der Brühler Schlosskonzerte
..... Man kennt sie als das Singvögelchen unter dem Firmament der Kantaten- und Oratorienarien.
Aber beim 7. Schlosskonzert - in der Brühler Schlosskirche betrat Emma Kirkby zunächst,ein
strengeres Feld. Beinahe schwebend näherte sie sich dem Ensemble Bell'Arte Salzburg aus der Ferne.
Mit dem tiefen Ernst der gläubigen Seele gestaltete sie das "Sancta Maria" des Venezianers
Fra Angelo Crotti. Unter dem Titel "Salve Regina" wurde sodann Marienmusik des 17. Jahrhunderts
dargeboten.
Es reißt einen schon mit , wie Kirkby die Facetten und die überströmende Metaphorik
der Marienverehrung ins rechte Licht rückt, wie sie die sublime Heiterkeit der Motette
"Ave mundi spes Maria" von Alessandro Grandi in zarte Bewegung geraten ließ, wie sie
dessen "O quam speciosa" mit viel Gefühl ausstattete, um die Schönheit der "süßen Rose"
zu preisen. Monteverdis Gesang von der Verkündigung gab schon mehr Gelegenheit zu glasklar
gelungenen und mit warmer Intonation ausgestatteten Melismen, Ausdruck stürmischer Freude
und des jauchzenden Glücks über die Geburt des Kindes in "Salve puellule" von Carissimi.
Aber auch die andere Seite des Marienlebens fand ihren starken Ausdruck, das blutende
Herz, dessen Leid sie mit vehementer Klage heraussang: Moteverdis" Pianto della Madonna
rückte sie in die Nähe des Lamento der Ariadne - alles übrigens mit sicherem Gespür
für stilistische Reinheit. Die Musiker des Bell' Arte Salzburg" (Annegret Siedel und
Mechthild Werner, Barockvioline, Matthias Müller-Mohr, Gambe und Lirone,
Margit Schultheiß, Orgel und Barockharfe, Michael Freimuth, Chitarrone) zeigten sich
als kompetente und einfühlsame Partner, die auch mit Instrumentalkompositionen
auftraten.
Darmstädter Residenzfestspiele / Kontrapunktische Brillanz
Main Echo / Kultur 14.08.02 Gerhard Pfaff
"Ensemble Bell'arte" im Alten Amtsgericht Darmstadt
J.S.Bach und seine Mitbewerber um das Thomaskantorat
Eine außergewöhnliche Premiere fand im Rahmen der diesjährigen Darmstädter Residenzfestspiele,
im Foyer des Alten Amtsgerichts statt......
....Präsentiert wurde ein vorwiegend auf den Veranstaltungsort bezogenes Programm:
Johann Christoph Graupner (1683 bis 1760) war Hofkapellmeister des Landgrafen, der seine
erfolgreiche Bewerbung als Leipziger Thomaskantor ignoriert und so Johann Sebastian Bach den
Weg dorthin geebnet hatte. Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) liebäugelte von Frankfurt
aus mit dem Darmstädter Hof. aber der Landgraf wollte ihn nicht anstellen, so dass sein Weg nach
Hamburg führte.
Eine sechssätzige Telemann-Kantate bildete den Auftakt wechselnd zwischen Rezitativen und Arien.
Eine günstige Positionierung ermöglichte es dem Bassisten Gotthold Schwartz seine strahlend klare und schwebend
leichte Stimme in ausdrucksvoller Artikulation und kraftvoller Intonation zur Geltung zu bringen.
Angesichts der ausgezeichneten Akustik war in dem konzertierende Chorus der Instrumente auch
noch die kleinste Unregelmäßigkeit zu vernehmen. Auch in Telemanns zweisätziger Triosonate
a-Moll fungierten Cembalo und Viola da gamba als Basso continuo, während die Mittelposition
von Violine und Blockflöte den Raumklang zu stabilisieren vermochte, zumal beide Instrumente
gut aufeinander abgestimmt waren und in präzise angetippten Tonreihen ein federndes Vivace
darboten.
Mühelos führte der Sänger in Graupners Jesu-Kantate seine kunstvollen Koloraturen aus.
Rezitative und Arien erklangen in weichem, geschmeidigem Timbre der eingängigen Kantilenen.
Eine zweite Triosonate demonstrierte Telemanns beeindruckende melodische Linienführung in
getragen-gemessener Tempogestaltung und den munteren Schwung frohlockender Spritzigkeit sowie eine
gestochen scharf perlende Ausgelassenheit in turbulent ausuferndem Melodienreigen.
Besonders aparte Zwiesprachen zwischen Violine und Oboe in Kriegers Kantate nach dem dritten Psalm.
In dieser stimmlich-instrumentell nahtlos koordinierten Jubelmusik hatte der Bassist Gelegenheit
seine sonoren Tiefen und seine technisch perfekte Geläufigkeit in sicher akzentuierten Abstufungen
voll zu entfalten.
Markante Figurenzeichnungen gelangen dem Cembalisten in Bachs Präludium und Fughetta G-Dur/BNVV 902,
Zügig dargeboten und expressiv gestaltet der gut ausbalancierte Klangkörper in einer Bach-Arie,
weit ausgreifend und konsequent schreitend die Triosonate BWV 527. Bravourös ausjubelnd in
kontrapunktischer Brillanz die Kantate BWV I58.
Französische Barockmusik
Oberösterreichisches Volksblatt6.August 2002 Rudolf Leßky
Der Konzertabend am Sonntag in der barocken Brunnenthaler Wallfahrtskirche,
war ausschließlich französicher Barockmusik gewidmet,
gestaltet vom Ensemble "Bell Arte Salzburg", das seinen Namen von der ursprünglichen Vorliebe
für die Salzburger Barockmeister Biber und Muffat abgeleitet hat. In Werken von Couperin,
de la Guerre, Marais, Clerambeau, Forqueray und Rameau bewiesen Annegret Siedel (Barockvioline),
Martin Stadler (Oboe und Blockflöte), Irene Klein (Viola da gamba) und Zvi Meniker (Cembalo)
ihre souveräne Kompetenz in authentischer Interpretation, ihr meisterhaftes solistisches Können
und ihr homogenes Zusammenspiel.
Die schwedische Sopranistin Susanne Ryden beeindruckte durch ihre angenehm weich und
ausdrucksvoll geführte Stimme, mit der sie die barocken Kantaten stilgerecht interpretierte.
Geistliche Musik virtuos dargeboten
Südostbayrische Zeitung 17.06.2002 (Dr. Christoph Bauer)
Musiksommerkonzert von überwältigender Schönheit mit dem Ensemble Bell'Arte
FREILASSING - Der Konzertbesucher kennt das. Er geht in den Saal, die Kirche,
ohne große musikalische Erwartungen, aber er wird angenehm überrascht. Weniger
oft passiert es, dass man zum Ereignis mit freudiger Erwartung geht und diese
noch übertroffen wird. Das war beim geistlichen Konzert des Bell'Arte Ensembles
Salzburg im edlen Rahmen der Marienkirche der Fall.
Jeder Mitspieler der Gruppe: Annegret Siedel (Barockvioline), Martin Stadler
(Oboe und Blockflöte), Isolde Hayer am Barockcello und der Cembalist Florian Birsak
- auf Originalinstrumenten - ist als Virtuose gefragt und zwar europaweit.
Es erübrigt sich also eine einzelne lobende Akzentierung.
Werke von Georg Philipp Telemann zäsierten den Konzertverlauf. Die beiden Triosonaten
in f-Moll und g-Moll, mit zarter und beweglicher Grandezza dargeboten, machten
überdeutlich, warum der Komponist als neuer "Orpheus" bei den Zeitgenossen
in höchster Wertigkeit stand.
Dem Tenor Jan Kobow, einem gern gehörten und häufigen Gast des Ensembles, waren
die sängerischen Partien anvertraut. Nach des Johann Kuhnau (1660 bis 1760)
Rezitativ und Arie "Es ist genug, ich bin des Lebens satt" aus einer bislang
vergessenen Kantate "Ich habe Lust abzuscheiden", folgten Johann Christoph Graupners
(1683 bis 1760) Rezitativ und Arie "Nimmt mein Jesus mich in Schutz" aus der Kantate
"Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen ". Jan Kobow sang intensiv, genau
und intelligent phrasierend.
Als Thomaskantor hätte sich der Komponist sicher bewährt. Allerdings erhielt dann Johann
Sebastian Bach Amt und Würden. Mit Liedern aus dem Gesangsbuch des Kantors Schemelli,
die Bach" aufgewertet" hat' führte das Programm weiter. Kobow überzeugte besonders
durch die grandios eindringliche Fassung von " Ich lasse Dich nicht, Du musst mein
Jesus bleiben! "
Prachtvoll gravitätisch intonierte der Sänger dann die Eingangs-Aria "Halleluja, Stärke
und Macht sei des Allerhöchsten Namen! " aus der Ratswechsel-Kantate von 1731
"Wir danken dir, Gott, wir danken dir", BWV 29.
Kobow verdeutlichte ungemein, wie J.S. Bach hier dem hochbeinigen und starrköpfigengen
Magistrat huldigen konnte, ohne sich selbst etwas zu "vergeben" ,
ja sich transzendierte ". Nach der konzertanten Triosonate d Moll BMW 527, für Oboe,
Violine und Violincello adaptiert, kam wieder Georg Philipp Telemann zu Gehör.
Die Kantate "Das Herz und Sinn, oh schwacher Mensch" aus der berühmten Sammlung
"Harmonischer Gottesdienst (von 1725) überzeugte durch dieTelemann'schen
Lautmalereien und führte selbst die Schrecken des Weltgerichts mit leichtem
Augenzwinkern vor.
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) ist einer der (zahlreichen) Frühvollendeten der
Barockmusik. Von überwältigender Frische und edel tönendem Prunk zeugte
die Kantate "Jauchzet dem Herrn alle Welt", der Kobow all seine Virtuosität verlieh.
Zum Ende des geistlichen Konzer, das eigentlich "ohne Ende währen hätte können, gab es
nach einer angemessenen Besinnungspause sehr heftigen Beifall im nicht ganz
ausverkauften Gotteshaus. Dr. Christoph Bauer
Wie man barocker Formelhaftigkeit Leben einhaucht
Stuttgarter Zeitung 23.04.2002 (Markus Dippold)
Konzert zu den "Tagen Alter Musik Stuttgart" von überwältigender Schönheit mit dem Ensemble Bell'Arte
Manchmal adelt die Interpretation in einem Konzert die Komposition. Anders gesagt
gibt es Ensembles, denen es gelingt, aus eher durchschnittlicher Musik ein Hörerlebnis
zu machen. Beim Konzert des Ensembles Bell'Arte Salzburg im Weißen Saal des Neuen
Schlosses im Rahmen der 15. Internationalen Festtage alter Musik erlebte man solch eine
Nobilitierung eher schematischer, formelhafter Barockmusik. Den Löwenanteil des
Programms am Sonntagvormittag bildeten Suiten und Sonaten des siebzehnten Jahrhunderts,
die sich in ihrer Kürze und Formelhaftigkeit an populären Tanzformen der Zeit orientieren.
Was zu Beginn des iweistündigen Programms mit der Suite a-Moll von johann Sigismund
Cousser noch spritzig und heiter anhob, war am Ende mit Johann Caspar Ferdinand Fischers
Suite in F dann doch ziemlich ermüdend.
Da nützte dann irgendwann auch die Spielkunst der sieben Musiker nichts mehr.
Dabei zeigten die sich technisch hoch virtuos, allen voran die Primaria Annegret Siedel,
die in der Ciacona in D von Samuel Capricornus wahnwitzige Kapriolen schlug.
Mit Fritz Kircher stand ihr ein zweiter Geiger zur Seite, der sich aufmerksam Siedel
anpasste. Lebendig, fantasievoll, verspielt die Continuo-Gruppe mit Matthias Müller,
Violone, Margit Schultheiß, Barockharfe, und Florian Birsak, Orgel und Cembalo. Dazu
verfügt das Ensemble mit Michael Sprengler und Irene Klein über zwei virtuose, brillant
gestaltende Gambisten. Perfekt war das Zusammenspiel, gemeinsam die Phrasierung, das
nuancierte Abfangen der Schlusswendungen, homogen und zugleich transparent der
Klang der alten Streichinstrumente.
Die stärksten Momente hatte dieses Konzert jedoch, wenn die schwedische Sopranistin
Susanne Ryden ins Geschehen eingriff. Zwar hatte man zumeist den Eindruck, die Stücke
hätten ruhig einen Ton höher sein können, damit ihre Stimme besser zur Geltung hätte
kommen können, doch verblüffte sie mit ihrem nahezu instrumental geführten Sopran,
der selbst vertrackteste Koloraturen in "Dixi Domino" und "Laetare jerusalem" von
Samuel Capricornus mühelos bewältigte.
Ihre Stimme ist fokussiert, spricht in allen Lagen weich an und ist modulierbar.
Da kam es in den Werken von Capricornus, aber auch in Druckenmüllers Kantate
"Der Gerechte, ob er gleich zeitlich stirbt" zu betörenden Virtuosenduellen
zwischen Ryden und den beiden Geigern, die die Feinheiten, die kompositorischen
Ideen voll auskosteten und ausmusizierten. Und dann war endlich auch einmal die
Komposition auf der Höhe der Interpretation.
Festtage III: Ensemble Bell' Arte
Stuttgarter Nachrichten 23.04.2002 (Dietrich Röder)
Ein Hauch von Fremdheit
Im 17. Jahrhundert komponierte der Stuttgarter Hofkapellmeister Samuel Bockshorn,
der sich Capricornus nannte, Kantaten und Instrumentalwerke, die bis heute Gültigkeit
besitzen. Davon kündete eine Matinee im Weißen Saal. Dort gab es eine Begegnung mit
dem Ensemble Bell'Arte Salzburg. Die Musiker um Annegret Siedel (Leitung und
Barockvioline) tragen mit,ihren historischen Instrumenten jenen Hauch von Fremdheit
in die Musik zurück, der nötig ist, um unsere Aufmerksamkeit auf das kompositorische
Geschehen zu konzentrieren.
Zu den Barockviolinen, den Gamben, der Violine, der Barockharfe einschließlich
Orgelpositiv und Cembalo trat in diesem Konzert als weiteres Instrument die schlanke,
biegsame Stimme der schwedischen Sopranistin Susanne Rydén. So ereigneten sich bei
den Wiedergaben der Werke von Capricomus und Philip Friedrich Böddecker samt deren
Zeitgenossen Nuancen an Klangfarbe und Dynamik, die man im modernen Instrumentarium
vergeblich suchen würde.
Leichte Einbußen erlitt das Klanggefüge gelegentlich durch das zu dick aufgetragene Spiel
der Gamben. Dietrich Röder
So mag es am Hofe Carl Eugens geklungen haben
Reutlinger Generalanzeiger 24.04.2002 (Eberhard Stiefel)
Musikwerke aus dem Raum Baden-Württemberg bei den Festtagen Alter Musik in Stuttgart - Acht Konzerte
mit berufenen Interpreten
In insgesamt acht Konzerten konnte man bei dem Festival in Stuttgart eine Fülle von
unbekannten, indes bedeutsamen, in ganz seltenen Fällen auch ein bisschen trivialer
Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts aus dem heutigen Land Baden-Württemberg erleben.
Staunend, stellte man fest, dass diese Musik keineswegs nur innerhalb der Landesgrenzen
gepflegt wird, vielmehr etwa in Köln, Salzburg, ja sogar in London und Cambridge oder
in New York ihre Liebhaber gefunden hat. Von einem Musikland Baden-Württemberg
zu sprechen, ist also nicht übertrieben.
...........
Cousser, Schwartzkopf, Nicolai und Capricornus
Das Ensemble Bell'Arte Salzburg brachte von Komponisten, die Ende des 17. Jahrhunderts
an Hof und Stiftskirche in Stuttgart gewirkt hatten, interessante Kammermusikwerke für
Violinen, Garnben und Continuo in fein abgestimmtem Zusammenspiel, so eine vielgestaltige
Suite von Johann Sigismund Cousser, Triosonaten von Johann Michael Nicolai
und Theodor Schwartzkopf und eine von erlesener Variationskunst zeugende Ciacona des
von Heinrich Schütz gerühmten Samuel Capricornus (der bekanntlich vier Jahre lang in
Reutlingen gewirkt hatte). Von ihm erklang auch jene Kantate "Dixi domino", die von
der schwedischen Sopranistin Susanne Rydén wunderbar gesungen wurde. Sie gestaltete
auch sehr schön Kantaten von Philipp Friedrich Böddecker und des Kantors an der
Michaelskirche in Schwäbisch Hall, Johann Jacob Druckenmüller.
.........................
Stürmen und Drängen
Essslinger/Cannstatter Zeitung 24.04.2002 (Wolfgang Glock)
Zwei Konzerte zum Abschluß der Festtage Alter Musik
Stuttgart - "Musikschatz BadenWürttemberg" hieß das Motto der Festtage Alter Musik,
die wohl zum letzten Mal stattfanden (siehe Kommentar). Paradigmatisch zusammen
gestellte Programme beleuchteten das Schaffen längst vergessener Komponisten.
So erklangen im Weißen Saal ausschließlich Instrumentalwerke und Solokantaten aus
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, komponiert von Mitgliedern der
Württembergischen und Badischen Hofkapelle, dem Stuttgarter Stiftsorganisten Philip
Friedrich Böddecker und seinem Kollegen aus Schwäbisch Hall, Georg Wolfgang Druckenmüller.
Mit großer Hingabe einer ungemein lebendigen Artikulation und Bogenführung musizierten
die sieben Mitglieder des Salzburger Bell'Arte-Ensembles auf ihren historischen
Instrumenten, angeführt von der Primgeigerin Annegret Siedel.
Sie waren - zusamrnen mit der Sopranistin Susanne Rydén - die eigentlichen Helden des
Konzerts und verwandelten die eher epigonalen Werke in barocke Klangdelikatessen,
wobei die Sopranistin mit ihrer klaren, quirligen, schwerelos anmutenden Stimme das
Sahnehäubchen oben drauf setzte. Herrlich, mit welcher Leichtigkeit sie in der
italienisch beeinflussten Kantate "Dixi Domino" von Samuel Capricornus die Koloraturen
trällerte und korrespondierend an die Violine weiter reichte. Das kleingliedrig dem
Text entlang komponierte "Laudate Dominum" Böddeckers wäre ohne die
differenziert-figurale Wortausdeutung der Sopranistin in Bedeutungslosigkeit erstarrt
und auch Druckenmüllers Vertonung desselben Psalms, formal zwar zwingender gestaltet,
verdankt ihre Wirkung als geistliches Konzert einzig der Affektausdeutung zentraler
Worte und Bilder.
Insgesamt zeigen die aufgeführten Werke wenig Eigenständigkeit. Die Suiten des
Stuttgarter Hofkapellmeisters Johann Sigismund Cousser und des am badischen Hof
tätigen Johann Caspar Ferdinand Fischer ahmen Lully und somit den französischen
Geschmack nach, während die Triosonaten von Johann Michael Nicolai und Theodor
Schwartzkopff kleingliedrige Imitate der italienischen Musik darstellen. Einzig
die Ciacona in D von Capricornus verdient größere Beachtung. In diesen Variationen
über einem Bassmodell steckt doch eigenständig handwerkliches Können.
Für die absolute Professionalität der Sängerin und aller Mitglieder des
Bell'Arte-Ensembles gab es lang anhaltenden Beifall. Wolfgang Glock
Festtage Alter Musik Stuttgart
Südwestdeutscher Rundfunk 25.04.2002 (Rainer Baumgärtner)
Das Ensemble Bell'Arte Salzburg stellte zusammen mit der Sopranistin Susanne Rydén
Musik um 1700 aus Stuttgart, Rastatt und Schwäbisch Hall vor. Hier war ein ganz
ähnliches Repertoire wie bei REBEL zu hören, doch der Musizierstil hätte nicht
unterschiedlicher sein können. Im Gegensatz zu REBEL's ruppiger und forcierter
Musizierweise stand der weiche und frei atmende Ansatz von Beil'Arte.
Ensembleleiterin Annegret Siedel hatte unter anderem eine Kantate von Georg
Wolfgang Druckenmüller herausgesucht. Wie sich zeigte, ist der langjährige
Organist in Schwäbisch Hall heutzutage völlig zu unrecht vergessen - und im
18. Jahrhundert hatten sich seine Fähigkeiten auch weit herumgesprochen:
Süddeutsche Meister des Barock
Wiener Journal August 2001 (Franz Szabo)
Donaufestwochen im Strudengau
Annegret Siedel bewies bereits vor zwei Jahren bei den Donaufestwochen in der Pfarrkirche
von Münzbach mit Bibers Rosenkranzsonaten, dass sie eine absolute Meisterin der
Barockvioline ist. Umso größer war die Freude, die ehemalige erste Geigerin der
Komischen Oper Berlin diesmal in Begleitung von Arno Jochem an der Gambe und
Florian Birsak am Cembalo mit einem klug gestalteten Programm süddeutscher Barockmusik
zu hören. Dabei hielten sich die berühmten Namen - Biber, Fux, Muffat, Schmelzer - mit
den weniger bekannten Kleinmeistern - Schwartzkopf, Böddecker, Baal - die Waage.
Die Sonata in d aus der Sammlung "Sacra Partitura" des Elsässers Philipp Friedrich
Boeddecker (1607-1683), mit weitläufig virtuosem Violinspiel groß angelegt, erklang
überhaupt zum ersten mal in einem Konzert. Die kraftvoll federnd tanzende Gambe durfte
trotz kleiner Intonationsschwierigkeiten mit dem fein zieselierten Cembalo bei Theodor
Schwartzkopfs "Partie a Viola da gamba con grand Cembalo" die schönen akustischen
Möglichkeiten des in strahlendem Weiß restaurierten, 700 Jahre alten Kirchenkleinods
in Altenburg bei Windhaag ausloten. Mit Muffats Sonata in D in italienischem Stile und
Schmelzers Triosonate in A als begeistert beklatschte Zugabe beschloss Annegret Siedel
den milde strahlenden Mühlviertler Augustabend mit dem spannungsgeladen strahlenden
Klang ihrer Violine.
Süddeutsche Meister des Barock
................. 16.8.2001 (Kurt Lettner)
DonauFestwochen: Ensemble Bell'Arte in der Filialkirche zu Altenburg
Barockmusik vom Feinsten
Das Ensemble Bell'Arte spielte am Dienstag im Rahmen der DonauFestwochen
im Strudengau in der gotischen Filialkirche zu Altenburg reizvolle Barockmusik
süddeutscher Meister. Als "Musikalische Bibliothek" hatte die Initiatorin und
Leiterin Annegret Siedel ein anspruchsvolles Konzert mit großteils unbekannten
Werken süddeutscher Barockkomponisten zusammengestellt.
Jahrelange Recherchen in internationalen Bibliotheken in Paris, Württemberg, Wien
und Stuttgart hatte reizvolle Werke ans Tageslicht gefördert, die nun nach
Jahrhunderten wieder entdeckt wurden und wieder erklangen. Namen wie Johann
Pachelbel, Heinrich Ignaz Franz Biber, Johann Joseph Fux oder Georg Muffat sind
in der Musikwelt bekannt.
Wer kennt aber Theodor Schwartzkopf (1659-1704) von dem eine "Partie a Viola da
Gamba con grande CembaIo" erklang, oder Philipp Friedrich Böddecker (1607-1683)
mit einer virtuosen "Sonata in d" oder Johann Philipp Krieger (1649-1725), dessen
reizvolle "Sonata Quinta in G" den gotischen Kirchenraum der Filialkirche Altenburg
erfüllte, oder Johannes Baal (1657-7 1701), dessen "Sonata in a" seit Jahrhunderten
unentdeckt in der Nationalbibliothek Paris schlummerte.
Stilgerechte
Interpretation
Beim Bell'Arte Ensemble Salzburg waren diese teilweise technisch sehr anspruchsvollen
Werke in besten Händen. Armegret Siedel, die Leiterin des Ensembles, bestach mit
dem Spiel auf der Barockgeige von Georg Klotz, Mittenwald, aus 1746 durch eine
stilgerechte Interpretation. Arno Jochem , brachte seine. Viola da Gamba, ein
Instrument eines süddeutschen Meisters aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts,
mit einem spröden, aber sinnlichen Klang zum Erklingen, Florian Birsak spielte
teilweise solistisch auf einem von Hack! nach Christian Vater (l. Hälfte des 18.
Jahrhunderts) nachgebauten Cembalo virtuos, aber auch im Sinne des basso continuo
sehr einfühlsam. Drei Solisten, die sich zu einem erstklassigen Ensemble gefunden
haben.
Entdeckung von
Kostbarkeiten
Welch harmonischer Wohlklang erfüllt diese Musik, entstanden im 17. Jahrhundert.
Über all dem Musizieren in Altenburg stand, der "genius loci" Graf Joachim Enzmillner
(1600-1678), der im nahen Schloss Windhaag eine der größten Bibliotheken aufgebaut hatte,
die den Grundstock zur Nationalbibliothek in Wien bildete. So wie in dieser Bibliothek
manche Kostbarkeit aufbewahrt wurde, so war dieses Konzert eine Entdeckung musikalischer
Kostbarkeiten.
Reicher Applaus dankte dem Ensemble Bell'Arte Salzburg und den Veranstaltern,
die diesen stimmungsvollen Kirchenraum, bis auf den letzten Platz füllen konnten.
J.S.Bach - Das Musikalische Opfer
Göttinger Tageblatt 18.1.2000 (Michael Schäfer)
Aulakonzert / Bachabend mit Bell'Arte / Entspannt und gelassen
Göttingen. Nur 15 Jahre sind es vom Bach-Jahr 1985 bis zum Bach-Jahr 2000 -- damals die Feier des 200. Geburtstags, nun. das Gedenken des 150. Todestages. Es scheint, als vertrüge das Bachsche Œvre solche Feierlichkeiten. Es ist so riesig und vielgestaltig, dass Überdruss sich gar nicht einstellen kann, nichtige Dosierung vorausgesetzt.
Zu ihrer Eröffnung des Bach-Jahres hatte die Göttinger Kammermusikgesellschaft das Salzburger Ensemble Bell'Arte eingeladen. Es präsentierte am Sonntag in der Aula der Universität nach der G-Dur-Violinsonate - BWV 1019 das "Musikalische Opfer" BWV 1079, jenen Mikrokosmos kanonischer Künste, der in seiner Ausdrucksfülle die ausgetüftelte kontrapunktische Künstlichkeit ihrer Strukturen vergessen lässt.
Ganz von allein dürfte das. "Musikalische Opfer' allerdings nicht zum rechten Klingen kommen; wer will(oder es nicht besser kann), mag auch den Staub trockener Gelehrsamkeit verbreiten. Aber die entspannte Gelassenheit, mit der die vier Musiker - die Violinistin Annegret - Siedel, die Traversflötistin Linde Brunmayr, der Cellist Herwig Tachezi und der Cembalist Florian Birsak - diese Musik angingen, verscheuchte derlei Gedanken im Fluge.
Glasklare Strukturen
Ganz ohne Druck setzte die Violinistin die Akzente, spielte rasche Läufe mit einer Leichtigkeit, dass sie schier die Bodenhaftung verloren, und gestaltete die lyrischen Passagen mit vokaler Kantabilität. Dazu passte der warme, beneidenswert stabile Ton von Linde Brunmayr Traversflöte vorzüglich, ebenso das wohlklingende, konturenscharfe Cello-Fundament von Herwig Tachezi. Am Cembalo zeigte Florian Birsak, wie man polyphone Strukturen nachzeichnen kann, ohne die notwendige Flexibilität des Ausdrucks aus dem Blick zu verlieren. Das Publikum klatschte begeistert und, sah bald. ein, dass eine Zugabe hier nicht am Platz war. MicbaelSchäfer
Salzburger Meister
FAZ / Rhein-Main-Zeitung 24. 3. 2000 (Harald Budweg)
Paganini hätte sich gefreut / Virtuose Musik beim Rheingau Festival
Völlig zu Recht wird der Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 -1704) der "Paganini des 17. Jahrhunderts" genannt: Derart exorbitant schwer und hypervirtuos sind seine Violinwerke, dass sie noch heute verblüffen. So war es verdienstvoll, dass das Barocktrio "Bell' Arte Salzburg" sich beim Konzert des Rheingau Musik Festivals in der Kelterhalle von Schloss Reinhartshausen dieser akustischen Leckerbissen überhaupt annahm. Andererseits war schon bald ein gewisser Sättigungsgrad erreicht, hatten die drei Musiker- Annegret Siedel (Barockvioline), Irene Klein (Viola da gamba) und Carsten Lorenz (Cembalo) - für ihr Programm Barocke Meisterwerke am Salzburger Fürstenhof" doch überwiegend sich ähnelnde Stücke zusammengestellt.
Biber, sein Schüler Johann Joseph Vilsmayr sowie Georg Muffat zeugen einerseits für die Hochblüte der damaligen europäischen Musikkultur, zum anderen aber auch für das ausgeprägte Musikinteresse des Fürsterzbischofs Max Gandolph Graf von Kuenburg, in dessen Diensten Biber und Muffat lange Zeit standen. Man darf annehmen, dass jene anonyme, einem Manuskript im Minoritenkonvent zu Wien entstammende Sonate über den Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern", mit dem das Ensemble sein Gastspiel eröffnete, ebenfalls Biber zuzuordnen ist: Allzu offensichtlich sind die Parallelen zu den gesichert überlieferten Werken aus seiner Feder. "Sonate; ist hier noch mehr "Zusammenklang" denn Form modell, auch wenn die Abfolge langsam schnell zunächst die erste Hälfte einer Kirchensonate vermuten lässt. In Wirklichkeit jedoch wird zu Beginn über einen Qstinatobass variiert, bevor der Choral erscheint, über den schließlich fantasiert wird.
Findet man schon hier verblüffende Klangeffekte, so wurden die instrumentalen Möglichkeiten des hohen Streichinstruments in einer Fantasia (für skordierte Violine und Basso continuo) von Biber, einer Suite von Vilsmayr und einer Sonate von Muffat teilweise noch exzentrischer ausgekostet. Die Künstler spielten all diese Werke mit einigem Gespür für barocke Rhetorik und mit differenziert ausgewoge
ner Klangbalance. Einziger Kontrast in diesem stilistisch etwas monochromen Programm war eine Cembalo-Passacaglia von Muffat, bei der Carsten Lorenz ausgeprägtes Klangbewusstsein demonstrierte.
Elegante Schlichtheit und virtuose Violine
Wiesbadener Tageblatt 21.3.2000
Ensemble "Bell' Arte Salzburg" mit alten Meistern des Barocks auf Schloss Reinhartshausen
Höfische Klänge des Barock drangen aus der Alten Kelterhalle von Schloss Reinhartshausen, als das Ensemble "BellArte Salzburg" Einzug hielt. Im Rahmen der Matineereihe "Konzert & Brunch" des RheingauMusikFestivals stellten die drei Musiker auf historischen Instrumenten Werke aus der kulturellen Metropole des 17.Jahrhundertsvor.Annegret Siedel (Barockvioline), Irene Klein (Viola da gamba) und CarstenLorenz (Cembalo) haben ihren besondere Schwerpunkt auf die Musik des 17.und 18. Jahrhunderts aus den "bayerischen, böhmischen und österreichischen Musikzentren" gelegt und können als ausgewiesene und vor allem auch begeisterte Spezialisten in dieser Hinsicht gelten. BereitsderEinstieg, eine Sonate in D für Violine und B.c. über den Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern" eines unbekannten Komponisten gelingt in seiner elegantenSchlichtheit. Getragen zwar, abermitdurchaustransparentem Klang empfiehlt sich Annegret Siedel. Carsten Lorenz stellte seine solistischen Möglichkeiten in Georg Muffats (1653-1704) Passacaglia in g fürCembalosoloausdem"Apparatus musico-organisticus" mühelos unter Beweis. Eine elegante und unverkrampfte Spielweise zeichnet ihn aus. Die Fantasia in D für skordierte Violine und B.c. von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) erscheint in für diese Zeit ungewohnt virtuoem Gewand.DieVerwendung zahlreicher Doppel- und Mehrgriffe sowie ein Tonvolumen.bis in selten gebrauchte Lagen lassen dieses Werk zu einer anspruchsvollen technichen Hürde werden, die aber vonAnnegret Siedel auch hier mühelos genommen wird. Schlanke Figuren und grazile Wendungen können mit den beschaulicheren Elementen ohne Brüche kombiniert werden.Irene Klein erweist sich an der Viola da gamba nicht nur als zuverlässige Begleiterin, sondern sie wirkt auch als versierte und behände Partnerin in musikalischen Dialogen. Einen schwungvollen und charakterlich mehrdeutigen Beschluss bildete die Sonate in D von Georg Muffat. Im Eingang besinnlich wirkt sie im weiterenVerlaufregelrechtantreibend und ist streckenweise mit einem aufbrausend ungeduldigen Unterton versehen.
Das Trio setzt hier eine Vielzahl von eigenständigen Färbungen um und folgt dabei weitestgehend unbeirrt einer pointierten Zielsetzung.
Musikalische Geschenke der Bachfamilie
Thüringer Allgemeine 11. Mai 2000 Dr. Wolfram Klante
"Schöne Kunst" im Palas /283. Wartburgkonzert mit Ensemble aus Sa1zburg
Mit den schönen Maientagen hat auch die Muse der Tonkunst ihren Einzug in den Palas der Wartburg gehalten. Mitgebracht hat sie "musikalische Geschenke der Bach-Familie" und dem Ensemble für Alte Musik "BeU'Arte (Schöne Kunst) Salzburg aufgetragen, selbige einem muisikhungrigen Publikum zu überreichen. Von Annegret Siedel, die selbst die ]3arockviohne spielt, 1995 gegründet, hat sich die Gruppe, wie viele andere um historische Aufführungspraxis bemüht, besonders der Musik (worauf der Name deutet) am Hofe der Salzburger Erzbischöfe des 17. und 18, Jahrhunderts verschrieben. Dem zunächst richtet sie ihr Augenmerk auf Komponisten und Werke, "die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind oder erst wiederentdeckt wurden." Zu denen gehören die hier vorgestellten Werke aber höchstens stellenweise. Den 9-teiligen Reigen führte Vater Bach, begleitet von seiner zweiten Ehefrau Anna Magdalena (bekanntlich stammen nicht alle in ihr Notenbuch eingetragenen Stücke von ihrem Gatten) mit den meisten der Vortragsstücke an. Seine beiden ältesten Söhne waren nur je einmal vertreten.
.Am Anfang stand eines der berühmtesten Instrurnentalwerke aus den letzten Jahren des Thomaskantors, das Geschenk an den preußischen König, von ihm selbst als "Musikalisches Opfer" eines untertänigen Dieners bezeichnet. Der Empfänger konnte sich aber als Ideenspender fühlen, denn er übergab dem Gast an seinem Hof das Thema zur weiteren Bearbeitung. Dieses taucht im 2. Satz der Triosonate c-moll aus dem Zyklus (BWV 1079) auf. Ausgewogen musizierten mit geradem Ton, ohne größere - dynamische Kontraste Linde Brunmayr (barocke Traversflöte), Annegret Siedel, Isolde Hayer (Barockvioloncello) und Florian Birsak (Cembalo). Trotz der gedämpften Barockflöte ließ sich in höheren Lagen gegenüber der eine gewisse Schärfe nicht vermeiden, was aber dem an der Klangfarbenspaltung orientierten Ideal dieser Zeit entspricht.
I)ifferenzierte Artikulation machten ihr Spiel lebendig. Möglicherweise auf Grund hoher Luftfeuchtigkeit traten Stimmungsprobleme zwischen Cello und Cembalo auf, was öfteres Nachstimmen erforderte. Einen Gewinn verdankt das Ensernble der Mitwirkung einer im wahrsten Sinn schwedischen "Nachtigall", der aus Stockholm kommenden Sopranistin Susanne Ryden. Und vogelleicht schlägt sie die Triller, die wie angeboren wirken, wenn dies auch auf die Dauer etwas maniriert wirkt. Hier haben mir es mit einem Stimrnwunder zu tun, bestehend aus metallischem Timbre, schlanker sowohl kräftiger als auch hauchzarter Tongebung und mühelos erreichbaren Spitzenhöhen. Ihre reiche Verzierungskunst verband sie mit einem dezenten Maß an Ausdruck beim Vortrag von Liedern u,a. aus dem "Notenbuch der Anna Magdalena Bach", aus den "Geistlichen Oden und Liedern mit Melodien" nacb Christian Füxchtegott Gellert von Carl Philipp Emanuel Bach. Sehr frei und fern dem konstanten Metrum typisierter Tänze "spielte" Linde Brunmayr "mit" -Bachs Partitaa a-moll (BV 1013). Gelegentlich mangelte es ihr an Tondeutlichkeit. Am stärksten wirkte auf mich ihre Auslegung der Sarabande. Annegret Siedel hatte ihr Äquivalent in der Sonate G-Dur für Violine und Basso continuo (BWV 1021). Vornehmlich im "Presto" überschriebenen Schlusssat2 zeigte sie ihr technisches Können. Jedweder Monotonie verstand sie vorzubeugen, indem sie lang auszuhaltende Töne geschmackvoll crescendieren ließ.
Von anderem Zuschnitte sind die "12 Polanaisen" für Cembalo von Wilhelm Friedemann Bach. Florian Birsak übernahm zwei von ihnen, wobei er den volltönenden Klang seines Instruments zur Geltung brachte. Auch Bach, der Vater, hielt für den Cernbalisten ein Geschenk bereit, in Gestalt eines der bekanntesten und beliebtesten Werke aus seiner Jugendzeit: das einst dem Lieblingsbruder Jakob zugedachte Capriccio (BIW 992). Den dabei, angewandten damaligen Vorrat an Affekten führte Florian Birsak überzeugend vor. Ein verheißungsvoller Auftakt!
Johann Sebastian Bach und seine Zeitgenossen Dresdener Neueste Nachrichten - 6.7.00 (Tobias Eisner)
Musikalische Vesper auf Schloss Moritzburg
Zu erahnen, was es heißt"das göttliche Antlitz zu schauen", war das erklärte Ziel der musikalischen Vesper in der Schlosskapelle Moritzburg, durch die sich als Leitfaden die Thematik "Bach und seine Zeitgenossen" zog. Wolf Matthias Friedrich (Bass) und das Ensemble Bell'Arte Salzburg spürten dem nach und fanden zu einer festen Einheit, die es ihnen ermöglichte, musica sacra in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen.
Sinnfällig auch die Tiefe, in die Friedrich bei J. Schelles Geistlichem Konzert "0, welch eine Tiefe des Reichtums" geführt wurde. Selbst in untersten Regionen blieb dabei sein sonorer Bass noch voluminös wie tragfähig und unterstrich damit wirkungsvoll den Text. Von solcher Textverinnerlichung zeugte ebenso J. Ph. Kriegers Geistliches Konzert "Fortunae ne crede" (Glaube nicht dem Schicksal). Friedriech und die Musiker unter Primaria Annegret Siedel nahmen die Rhetorik des Stücks auf und setzten sie so feinfühlig um, dass man dem Inhalt folgen konnte, auch ohne den lateinischen Text zu verstehen.
Ein Auflockerungsmoment markierte G.Ph. Telemanns Sonate g-Moll für 2 Violinen und Basso Continuo. Das Ensemble arbeitete hier mit winzigen Tempoverzögerungen, prägnanter Artikulation und druckvollen Steigerungen, wodurch das Werk an Natürlichkeit und Frische gewann. Interessant auch die warme, lebendige Interpretation von J.S. Bachs (Orgel-) Triosonate BWV 527, die mit Streichinstrumenten in einen neuen Kontext gerückt wurde.
J.S.Bach und seine Zeitgenossen
Oberbayrisches Volksblatt, 4.7.2000 (Rainer W. Janka)
Reisacher Dreiklang / Barockkonzert in der Reisacher Schloßkapelle
Wenn nach Schopenhauer, Architektur erfrorene Musik ist, kann es einer glühend gespielten Musik gelingen, das architektonische Eis zum Schmelzen zu bringen.
Nun hat die barocke Architektur der Schlosskapelle von Raisach schon genug klingende Architektur in sich: das in ein Rechteck. Eingeschriebene Oval, das durch. die, acht Pilaster: wie ein Oktogon wirkt, die Verschmelzung: von Zentral- und Längsbau, die elegante Leichtigkeit der Emporen ihren sphärischen Dreiecken -und nicht zuletzt die gitterartige Règence-Stukkatur von Johann Baptist . Zimmermann.. Das spielt und klingt zusammen, dass es den Augen gefällt und den mathematischen Sinn ergötzt. Wenn darin: die historisch, adäquate Musik gespielt wird, ist das Sinnen- und Geistesglück vollkommen.
So war's beim Konzert des Barockensembles "Bell Arte Salzburg" im Rahmen der Musiktage Oberaudorf/ Reisach.
"Wie's wieder siedelt, wieder glüht!" mochte man , Mephisto verkalauernd, ausrufen, als Annergret Siedel mit ihrer Kollegin an der Barockvioline und ihren zwei Begleit-Mannen die Barockarchitektur zum flirrenden Sieden brachte. Aber Kalauer beiseite: Bei Annegret Siedel, Silvia Iberer, Matthias Müller (Gambe) und Florian Birsak (Cembalo) hat a1te Barockmusik nie etwas Gefrorenes, Erstarrtes an sich, das blitzt und funkelt und schwirrt, das klagt an und weint und singt und swingt, das jubiliert und triumphiert, dass einem schwindlig vor Freude und Genuss wird. Jede Phrase wird liebevollst ausgespielt, das Frage- und Antwortspiel wird zu einem geistreichen "'Ping-Pong-Spiel, an dem sich auch die wohlig-sinnlich grundierende Gambe und das einfühlsame Cembalo beteiligt. Das ist Spiel auf allerhöchstem Niveau!
Vor allem in einer Telemannsonate und einer Bach-Triosonate war das zu hören, wobei hier die herausragende Stellung Bachsdeutlich festzustellen war. Soviel Fantasie im Formenreichtum, soviel Variation einer festgefügten Form, soviel Umspielungskunst, soviel mathematischer Schönklang!
Vollkommen perfekt wurde der Abend durch das Wort: Der Bassist Wolf Matthias Friedrich sang Barockkantaten mit einer warmen, voluminösen Tiefe, die zunächst überraschte, weil man Sänger der Alten Musik eher als Besitzer kleiner, schlanker Stimmen kennt. Friedrich führte seinen Bass mit äußerster Agilität und Flexibilität .und. zeigte. eine hinreißende Hingabe an Text und Musik. "O, welch eine Tiefe des Reichtums" .hieß eine Kantate von Christoph Berhard. O, welche Tiefe des Reichtums konnte man bei dieser Bassstimme ausrufen! Die Kantate 'Fortunae. ne crede" demonstrierte die barocke Affektenlehre wie aus dem Lehrbuch. Wort für Wort wurde da Klang: Tränen, Jubel, Seufzer, Sterben, Glauben. So wurde es ein perfekter Reisacher Dreiklang aus Architektur, Musik und Wort.
Reiner W.Janka
J.S.Bach und seine Mitbewerber
Freie Presse 7.7.00 (Reinhold Lindner)
Feine bunte Mosaiksteinchen
Kammermusik in der Stollberger St.-Marien-Kirche beim Fest Alter Musik im Erzgebirge
Stollberg. Solche Musikabende sind die kleineren, feineren bunten Steine im großen Mosaik unserer Erlebniswelt. Kammermusik bringt immer das einzelne Instrument mit jedem anderen gleichberechtigt zum Klingen. Und wenn die menschliche Stimme sich zugesellt, wird sie nicht einbezogen und eingezogen, sondern exportierter Partner der anderen.
Wenn noch dazu derart subtil und partnerschaftlich gesellig gespielt und gesungen wird, wie am Dienstagabend in Stollberg beim Fest Alter Musik im Erzgebirge, dann lässt sich was erleben von dieser Art der Mosaikbilder. Noch dazu an einem so haargenau dazu passenden Ort wie der kleinen St.-Marien-Kirche, einem wahren Kleinod gotischer Baukunst auf altem Grund und nicht minder der sorgsamen Kunst der Restaurierung in heutiger Zeit.
Dass unter solche n Umständen die Zuneigung der Zuhörer - wieder war das Konzert sehr gut besucht - besonders aufgeschlossen ist, verwundert nicht, die Jagd nach Zugaben neigt dann umso mehr zu Ovationen.
Das Instrumentalensemble Bell' arte Salzburg mit dem Tenor Jan Kobow konnte jedenfalls in Stollberg einen tollen Publikumserfolg einspielen. Die Zugabe mit einer Kantatenarie des guten alten Kirchbergers Christoph Graupner, beinahe also aus Stollberger Nachbarschaft, war ein bestes Zeichen des Einvernehmens von Musikanten, Zuhörern und Ort, ganz im Sinne des Festes Alter Musik.
Graupner war ohnehin im Programm, das sich diesmal wieder um Johann Sebastian Bach rankte. Vorgänger im Amt des Thomaskantors wie Johann Kuhnau, der mit Bach in Leipzig befreundete und später davon ziehende Georg Philipp Telemann und der norddeutsche Orgelmeister NicoIaus Bruhns - sie alle ließen von sich hören. Und dann war noch dieser Schemelli, der uns auch nur noch geläufig ist, weil es dieses Gesangbuch unter seinem Namen gibt und zu dem Bach unvergleichliche Lied- und Choralbearbeitungen beitrug, die uns deshalb derart faszinieren, da sie so wunderbar klingen können, wie an diesem Abend in Stollberg.
Jan Kobow mit einer idealen Lied- und Oratorienstimme und bestmöglichem Gefühl für das Musizieren in dieser Besetzung, mal begleitet von Geige und Flöte sowie Continuo, andermal von Geige und Oboe, hier bei den Schemelli-Liedern Bachs allein vom Cembalo. Er stellte seine Stimme ideal auf die Barockinstrumente ein, und vielleicht hatten wir wieder Mal einen annähernden Eindruck, wie es zu Bachs und Telemanns Zeiten geklungen haben könnte. Wissen können wir das ohnehin nicht, denn selbst bei den Orgelwerken ist nur spärlich überliefert, wie die großen Meister selbst gespielt und registriert haben. Bei den Bearbeitungen der Orgelsonaten Bachs für drei Instrumente, es erklang die Triosonate d-Moll BIW 5 27, sind ohnehin fremde Hände im Spiel. Immerhin sind es in diesem Fall die von Mozart, dem die Instrumentierung des zweiten Satzes zugeschrieben wird. Und es sind ja auch sechs Hände nötig, die hier auf drei Instrumenten das spielen, wozu der Organist mit seinen zwei eigenen und den Füßen auskommen muss. Aber der wundersame Reiz dieses Zusammenspiels mit solcher Verteilung der Stimmen auf verschiedene Instrumente ist eben jener, der nur in der Kammermusik sich derart erschließt, zumal in solch meisterlicher Interpretation wie in Stollberg.
Tromba triumphanss
Süddeutsche Zeitung 19.9.2000 (Andreas Heider)
Triumph des feinen Stils
Bell Arte bot musikalischen Hochgenuß
Beuerberg - Die Konzerte des "Musiksommers" bieten seit nun mehr zehn Jahren alte Musik in historischer Aufführungspraxis in den historischen Kirchen- und Festräumen der Region....
...es ging vielmehr um den authentischen barocken Klang - und - um den australischen Meister-Trompeter Paul Plunkett. Der nämlich hat sich ganz auf die alten, ventillosen Instrumente und die historische Spielweise spezialisiert. Und auf diesem Wege kam er
zu einer ganz ungewöhnlichen, überaus distinguierten Vortragskunst, geprägt vom feinsinnig modulierten mezzoforte, von sensibler karnmermusikalischer Interaktion.
So verschmolz sein Solopart bruchlos mit den Geigen und der Continuogruppe des Salzburger Bell'Arte-Ensembles. Die Sonaten und Concerti von Berühmtheiten wie Arcangelo Corelli und Georg und Philipp Telemann oder von Kleinmeistem wie Gottfried Finger (1660-1730) und Franz Reinhart (1682-1727) gewannen da reich differenzierte Farbigkeit und unverhoffte, distinguierte Vitalität; und das sinnreich zusammengestellte Programm eröffnete tiefe Einblicke in die Musikgeschichte. So zeigte sich hier allenthalben die europaweite Wirkung des stile italiano, und es kam zu einer aufschlussreichen Gegenüberstellung von Heroen wie wie Henry Purcell und Antonio Vivaldi. Letztere lag reilich in den Händen der Salzburger Bell'Arte, die nicht nur aufmerksam sekundierte, sondern auch in den Stücken ohne Trompete stark beeindruckte. Annegret Siedel und Fritz Kircher (Barockvioline), Arno Jochem (Violone) und Florian Birsak am Cembalo präsentierten sich da als technisch souveränes, glänzend eingespieltes Ensemble mit feinem Gespür für die musikalische Rhetorik der Barockzeit; zumal in Vivaldis Variationen in d-moll, die in Beuerberg geradezu zum Drama wuchsen.
Paul Plunkett war der ideale Partner dieses feinsinnigen Quartetts; und sein Instrument erwies sich damit als veritable tromba nobilis et subtilis. Der Klang, die musikalische Feinstarbeit, die stilistische Sensibilität triumphierten. Am Ende Ovationen und ein virtuoses da capo von Telemann.
Tromba triumphans
Münchener Merkur 20.09.2000 (ast)
Barockmusik zu neuem Leben erweckt
Beuerberg (ast) - Die Barocktrompete ist ein Instrument, das man nicht alle Tage zu hören bekommt. Im Gegensatz zu ihrer modernen Variante hat sie keine Ventile. Als einer der besten Interpreten, die heute noch das altertümliche Instrument zu seiner vollen Ausdruckskraft bringen können, gilt Paul Plunkett, der zum Musiksommer Isartal mit dem Salzburger Ensemble Bell'Arte im Pfarrsaal der Beuerberger Kirche gastierte.
Eckpfeiler des Programms waren das "Concerto in D" von Georg Philipp Telemann sowie die" Sonata a quatro in D" von Arcangelo Corelli. Dass letzterer wie kaum ein anderer den musikalischen Stil und Geschmack seiner Zeit weit über die Grenzen Italiens hinaus prägte, machten weitere Stücke deutlich. Henry Purcells getragen-ernsthafte"Sonata in A" oder Gottfried Fingers "Sonata in C" etwa wandelten deutlich auf den Spuren Corellis.
Bei vielen der dargebotenen Werke hatte Plunkett Gelegenheit, seine Virtuosität auf der Barocktrompete unter Beweis zu stellen. Auf besonders mitreißende Weise kam das Instrument zum Beispiel in Franz Reinharts "Sonate in C" zur Geltung, aber auch in getrageneren Sätzen wie in Alessandro Stradellas "Sinfonia ävanti il Barcheggio in D" wusste Plunkett mit einfühlsamem Spiel zu berühren. Das Schwergewicht, das die Trompete in diesem Konzert erhielt, ist dabei durchaus repräsentativ für den Geschmack des Barocks, denn gerade im Verlauf des 17. Jahrhunderts eroberte die Trompete mehr und mehr einen festen Platz in der Kammermusik. Und als sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die neue Form des Instrumentalkonzerts etablierte, war die Trompete als bevorzugtes , Solo-Instrument kaum mehr daraus wegzudenken.
Neben Plunkett überzeugten aber auch die übrigen Musiker des Ensembles mit auf hohem Niveau befindlichem Spiel. Allen voran setzte die Violonistin Annegret Siedel, Gründerin von Bell'Arte, ein ums andere Mal Akzente. Lebendig und ausdrucksstark wurde, sie von Fritz Kircher (Barockvioline), Arno Jochem (Violone) und Florian Birsak (Cembalo) unterstützt. Zu einem Höhepunkt des Konzertes wurde sogar ein Stück, bei dem die Trompete Pause machte, nämlich Vivaldis" La Folia", das - speziell in der kraftvollen Interpretation von Bell'Arte - mit seiner Steigerung zu stürmischer Bewegtheit die 150 Zuhörer zu begeistertem Applaus hinriss.
Tromba triumphans
/ /30.12.2000 / bt
Bell'Arte Ensemble aus Salzburg in der Weilburger Schlosskirche 31.12.2000
Die Musik der alten Meister war eine Erquickung für die Seele
Weilburg (wt). In der Konzertreihe "Alte Musik im Weilburger Schloss" erfüllten unter dem Titel "Tromba Triumphans" Trompetenklänge die Schlosskirche. Das Bell'Arte Ensemble aus Salzburg mit Annegret Siedel und Fritz Kircher (Barockvioline), Arno Jochem (Violoncello), Florian Birsak
(Cembalo) und Paul Plunkett (Barocktrompete) musizierten festliche Instrumentalmusik aus dem 17. und beginnenden 18. Jahrhundert.
Was macht die große Affinität des menschlichen Gemütes zur Musik jener Zeit aus? Andreas Werckmeister schreibt in einer seiner theoretischen Abhandlungen aus dem 18. Jahrhundert:"Gott hat alles nach Zahl, Maß und Gewichte geordnet und die Welt also erschaffen. Die Musik ist ein Spiegel aller guten Ordnung. Die natürlichen Ordnungen in der Musik spiegeln Gottes Ordnung und Form der Schöpfung wider."
Die Einbindung in harmonische Zusammenhänge, das Aufgehobensein in klaren formalen Strukturen, die ausgeglichene Ansprache von Gefühl und Intellekt sind dem Menschen wohltuend. Do waren die Klänge und Farben der Sonaten und Conzerti der alten Meister in der festlich geschmückten Schlosskirche eine Erquickung für die Seele, oder mit den Worten Johann Sebastian Bachs gesprochen:, sie wurden zu einer "Recreátion des Gemütes". Der milde Schein der Naturtrompete passte zum Fest der Weihnacht und überstrahlte die Kirche mit dem Glanz des von der Krippe ausgehenden Lichtes. Es war ein stiller Triumph, der sich da vollzog,
mit Bedachtsamkeit über alles Laute und Vordergründige und bescheidener Könnerschaft über zur Schau gestelltem Virtuosentum. Dennoch musizierten die Streicher kraftvoll mit einer großen Natürlichkeit und Schönheit der Tongebung. Mit klugen rhetorisch klar formulierten Linien brachten sie den musikalischen Willen der Tonschöpfer zur realen Klanggesttalt. Verzicht auf eigenmächtige Interpretation und die völlige Hingabe andas durch den Satz Vorgegebene zeichneten die Interpretationen aus.
Jedes der Ensemblemitglieder ist ein bedeutender Interpret. Ihr Zusammenspiel verbindet sich zu einer Kammermusik von großer Lebendigkeit und Ausgewogenheit, Brillanz und Homogenität, sprechender Ausdruckskraft und der Fähigkeit zur Kontemplation in den langsamen Sätzen.
Zu hören waren Sonaten von Arcangelo Corelli, Henry Purcell, Gottfried Finger, Francesco Turini, und Franz Reinhardt. Hinzu kamen ein Concert von Georg Philipp Telemann, eine Sinfonia von Alesandro Stradella und die Variationen über "La Folia" von Antonio Vivaldi. Das Thema "La Folia" hat zahlreiche Komponisten des Frühbarock zur Bearbeitung angeregt. Die Behandlung durch Antonio Vivaldi für zwei Violinen und Basso continuo und deren Interpretation gehörten zum Höhepunkt des Abends. Die geistreiche Unterhaltung der beiden Streicher mit ihrem Geben und Nehmen, in einer frisch zupackenden Art musiziert, die jedoch niemals ins Grobe abfiel, wurde vom Cembalo und Violoncello begleitet, deren Zusammenspiel geradezu von einer überirdischen Behändigkeit und Brillanz war. Hier kam das virtuose Element zum Zug und wechselte sich ab mit ruhigeren Variationen von einer verzaubernden und zum Träumen anregenden Klanglichkeit. In den Kompositionen mit konzertierender Trompete entlockte Paul Plunkett seinem Instrument Töne von großer Zartheit, brillante Koloraturen und warmer Klanggebung. Die sympathischen Musiker wurden von dem großen Publikum mit reichem Beifall bedacht.
Pressestimmen aus dem Jahr 1999
Passionskonzert - Mysteriensonaten
Schwarzwälder Bote, 23.3.1999 (Lothar Husenbeth)
Lebendiges Musizieren Bell'Arte Salzburg beeindruckt bei Münsterkonzert
Villingen-Schwenningen.....Im zweiten Konzert der Villinger Münsterkonzerte musizierte das renommierte Ensemble "Bell'Arte Salzburg" auf Originalinstrumenten den zweiten Teil des bekannten, 15 Violinsonaten mit Continuo umfassenden Zyklus der "Rosenkranzsonaten " von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704), die Mysteriensonaten VI bis X...
...Die Mitglieder von "Bell' Arte" sind ausgewiesene Spezialisten für die Aufführung alter Muik...
Durch dieses lebendige und 'sprechende' Musizieren wird eine außergewöhnliche Vielfalt in der Ausformung musikalischer Deatails und eine Intensität des Ausdruckes erreicht, die im besten Sinne des Wortes den Hörer 'berührt' und 'anrührt'....
Für jede der musizierten fünf 'schmerzensreichen Sonaten' von Biber hatte die Geigerin Annegret Siedel eine andere, vorher 'präparierte' und nach der Grundtonart gestimmte Geige mitgebracht. Dadurch entstand ein äußerst farbenreiches, reich abschattiertes Klangbild. Excellent ihr Spiel, frisch und zupackend. Neben technischer Brillanz besonders cantabel ausgeprägt die mehr innig-verhaltenen Teile....
...ihr zur Seite excellente Mitspieler, die kräftige und mitgestaltende Impulse setzten. Vielgestaltig und farbenreich die Continuobegleitung....
Konzert / Hochkarätige Instrumentallwerke
Südwestpresse, 24.3.99 (Peter Schmerling)
Klangschöne Echowirkungen
Langanhaltender Applaus für großartige Gesamtleistung im Münster
......Cembalist Florian Birsack eröffnete das Konzert mit der mehrteiligen 'Toccata in C' von Froberger, die wie eine feurige Improvisation wirkte...
...Unmittelbar danach begann Annegret Siedel verhalten mit der Sonata 6 c-moll von Biber , steigerte Tempo und Dynamik , so daß manche Takte überraschend explosiv erschienen und konnte mit tadelloser Finger- und Bogentechnik ihrer Barockvioline klangschöne Echowirkungen abgewinnen. Die 'Begleiter' der Geigerin realisierten ihre Parts sehr vital, versteckten weder Emotionen noch aggressive Excentrik . Ihr engagiertes Spiel war hör- und sichtbar...
...Das Zusammenspiel der excellenten Geigerin und den Generalbaßspielern war perfekt. Michael Brüssing sorgte für ein solides Baßfundament, während Hubert Hoffmann (Laute) manche Gegenstimme aus dem Stegreif erfand...
...Zu Recht gab es langanhaltenden, herzlichen Applaus für die großartige Gesamtleistung des Salzburger Ensembles.
Kammerkonzert in St. Maria am 9.5.99
Landauer Zeitung, 11.5.99
Von Patina befreite Barockmusik
Das zu Recht hochgelobte Ensemble "Bell' Arte Salzburg" mit Paul Plunkett (Barocktrompete), Annegret Siedel und Fritz Kircher (Barockvioline), Dr. Konrad Ruhland und Michael Brüssing (Viola da Gamba , Hermann Hickethier (Violone) und Florian Birsack (Cembalo) interpretierte ausgesuchte Musikliteratur....Musikwerke aus dem bayerisch-böhmisch-österreichischen Raum aus der Zeit zwischen 1600 und 1700....Die Hochkarätigkeit des Konzerts wurde noch gesteigert durch den Auftritt von Paul Plunkett.
...reizvolle Klangwirkungen und Stimmungsmalereien , aber uch der aristokratische-repräsentative Zug der Barockmusik mit ihrem wachen Sinn für Maß und Form, schienen im Konzert wirkungsvoll auf.
Kammermusik in Loh am 8.5.99
Deggendorfer Zeitung, 12.5.99 (Adolf Zimmermann)
Außergewöhnliche Akustik: Barocktrompete in der Rokoko-Kirche
... Der Australier Paul Plunkett gilt als einer der besten Interpreten auf der Naturtrompete unserer Zeit... Ihm zur Seite ein erlesenes Streichorchester...
Wie perfekt Paul Plunkett die Meisterschaft dieses Spiels beherrscht, zeigte sich schon im Einstieg mit 'Baletti in C' von Allesssandro Poglietti (bis 1683). Wenn auch hier schon der Funke zum Publikum bereits übersprang,...setzte nach zweiten Werk....spontaner Beifall ein, der sich nach jedem der folgenden Stücke wiederholte... Um dem Trompeter wohlverdienten Ruhepausen zu gönnen, war das Programm mit einigen Streichersonaten oder Suiten durchsetzt. Diese Es erklangen in einer einzigartigen Mischung aus technischer Meisterschaft und lebendig frischer Interpretation.....
Laudate Dominum mit Jan Kobow in Fürstenfeldbruck am 25.10.199 -
Münchener Merkur, 28.10.99
Die schnellen Passagen fabelhaft virtuos gemeistert Das Ensemble Bell'Arte gastierte im Barocksaal
Unter den Kammermusikensembles, die sich auf die Wiedergabe von Musik der Barockzeit auf Originalinstrumenten spezialisiert haben, hat die 1995 gegründete Gruppe Bell'Arte Salzburg einen guten Ruf....Der Hörer lernte Musik teils wenig bekannter , doch auserlesener Meister kennen. So stammte der eröffnende Choral 'Wie schön leuchtet der Morgenstern' von Christian Geist, der 1670 Bassist der dänischen Hofkapelle war....Genannten Choral sang Jan Kobow, erster Preisträger des Bach-Wettbewerbs 1998. Stilsicher gestaltete er diese Partie, bald auch in klanglicher Balance zum anfangs zu lauten Ensemble... (bezgl der Motette 'Sancti dei omnes' von A..Mazak): Instrumental begleitet entfaltete der Tenor auch in der Höhe ein Spiel der Empfindungen, der Affektenlehre des barock adäquat. ....Später gestaltete er dessen (Heinrich Schütz') den Symphoniae sacrae entnommene Kantate 'Ich werde nicht sterben'.... Hier im Deutschen, wo Klang und Wortbedeutung, dem Lateinischen fremd, zusammenfallen, bewährte sich Jan Kobow erneut. Reizvoll erschienenn die Koloraturen, die sich in den Streicherklängen wiederfanden.. Als der Tenor , von Instrumenten acompagniert, dessen (Rupert Mayr's) 'Laudate Dominum', das Motto des Konzertabends anstimmte, schien sein lebhaftes Lob von der Geigerin aufgenommen zu werden. Das Gesamtensemble steigerte diesen Eindruck beim abschließenden Geistlichen Konzert 'Jauchzet dem Herrrn alle Welt' von Nicolaus Bruhns zu beachtlicher Kraft und Fülle.
Laudate Dominum mit Jan Kobow in Fürstenfeldbruck am 25.10.1999 -
Süddeutsche Zeitung, 27.10.99
Aus dem Vollen geschöpft / Das Ensemble "Bell' Arte Salzburg - ein Quartett mit vorzüglichen Solisten
Virtuose Barockmusik mit Paul Plunkett in Puchheim am 5.11.1999 -
Süddeutsche Zeitung , 9.11.99
Gegenspieler und musikalische Partner / Hochwertiges Konzert mit dem Ensemble Bell' Arte Salzburg
Pressestimmen aus dem Jahr 1998
Kammermusik für Barocktrompete mitPaul Plunkett Clarino)
Freilassinger Zeitung 19.06.98:
"Begeistertes Publikum in Salzburghofen"
..versetzt der geschlossene Ensembleklang, die ideale Balance aller einzelnen Spieler -jeder für sich ein Solist- und die fabelhafte Intonation in Staunen. Die Einsätze gelangen immer vollkom-men und wie mit einem gemeinsamen Atem. Bei langsamen Sätzen wurde eine intensive Klang-qualität erreicht, die in ihrer dynamischen Modulationsfähigkeit bestach und im Ausdruck alle Facetten ausgekostet hat. Schon im ersten Stück von Alessandro Poglietti bestach sein Spiel (Paul Plunkett, Barocktrompete) durch eine große dynamische Bandbreite und makellose Trillertechnik und er zeigte in der darauffolgenden Sonata von J.H. Schmelzer, wie weit er an die Grenzen der Möglichkeiten in puncto Virtuosität und Tonhöhe zu gehen vermag.
Von Biber bis Bach
Süddeutsche Zeitung, 25.08.98:
Kompetenz und Charme - das Bell'arte Ensemble
Denn nicht erst mit zwei sehr launigen - und ebenso gelöst gespielten Triosonaten von Dietrich Buxtehude stellte sich eine Lockerheit bei Ausführenden sowie Zuhörern ein, ohne die diese heitere und beglückende konzertante Musik des 17.Jahrhunderts um Charme und Wirkung gebracht wird. Heinrich Ignaz Franz Bibers "Maria Himmelfahrt"-Sonata aus den Rosenkranz-Sonaten wie auch Arcangelo Corellis "Follia"-Variationen stellten allerdings noch andere Ansprüche an alle Beteiligten. Vor allem hier konnte Annegret Siedel als Geigerin ihr ganzes Können hochkonzentriert unter Beweis stellen. Ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt aber nicht minder die große Passacaglia von Georg Muffat, und Florian Birsak spielte mit einer solchen handwerklichen Sicherheit und Genauigkeit in Phrasierung, derart biegsam im Tempo, daß keine Sekunde Langeweile aufkam, sondern jedem Rhythmuswechsel, jedem Lauf, jeder Akkordfolge gebannt nachzulauschen war. ........Wenn ein so sympatisches und kompetentes Ensemble wie Bell' Arte Salzburg zur Verfügung steht, dürften Kulturpolitiker eigentlich Anlaß zur Freude haben.
Von Biber bis Bach
Göttinger Tageblatt, 5.10.98:
Geistreich-elegante Unterhaltungen
Die vier Musiker - die Violinistin Annegret Siedel, der Gambist Michael Brüssing, der Cembalist Florian Birsak sowie Christian Horn, Violone - können Musik zum Sprechen bringen. Sie machen aus barocken Triosonaten kultivierte Dialoge, in denen das musikalische Motiv einen redenden Gestus erhält. Und war sie sich zu sagen haben, ist nirgends konventionelles Geplänkel, sondern stets geistreiche Konversation. ... Erstrangige Interpretationskunst machte diesen Abend zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Weihnachtsbotschaft
Göttinger Tagblatt, 19.12.1998:
Geschlossene Einheit mit einem Atem
Alle Jahre wieder bevölkert Barockmusik den adventlichen Konzertbetrieb. Selten für dieses Fest geschrieben, sorgen diese Werke zumindest für festliche Stimmung. Umso erfreulicher und eine wahrhafte Bereicherung ist es, wenn einmal das enge Repertoire wirklicher Weihnachts-kompositionen dieser Zeit erweitert wird. So geschehen am Donnertag, als Emma Kirkby mit vorwiegend unbekannten Werken in der Göttinger Johanniskirche gastierte...Mit reinem Ton und einer Klarheit, die ein Textheft zum Verständnis überflüssig macht, gestaltet Kikby jede Phrase unmittelbar und mit nuancenreichem Timbre. Selbst Werke mit schlichterer Anlage werden nicht zuletzt durch ihre Verzierungskunst zu einem ausdrucksvollen Erlebnis. Zwar steht die Virtuosität an diesem Abend nicht im Vordergrund, doch immer wieder gibt Kirkby in eingestreuten Koloraturen einen Eindruck von ihrer mühelosen Brillianz. Unterstützt wird sie vom bestens eingespielten "Ensemble Bell`Arte": Ausgeprochen wendig agiert die Basso-continuo-Gruppe, virtuos und wie aus einem Guß präsentieren sich die beiden Violinen,und selbst im Rubato zeigen sich Sängerin und Instrumentalisten als eine Einheit so, als teilten sie ein und denselben Atem. Un in den Schlußakkord des Ensembles mischt sich wie Kirkbys Ton wie der warme Strahl der Abendsonne am Horizont.
Seltenes Reperotire auf Weltklasseniveau sorgt für einen adventlichen Lichtblick der besonderen Art.
Weihnachtsbotschaft
Braunschweiger Zeitung, 18.12.1998:
Englische Nachtigall des historischen Klangs - Rittersaalkonzert mit der Sopranistin Emma Kirkby und dem Bell`Arte Ensemble
Noch immer streiten sich Musiker und Musikbegeisterte über das, was ihrer Ansicht nach der authentische Klang eines Musikstücks sei....die Wiedergabe mit Originalinstrumenten ist hier
"authentisch" im Sinne eines lustvoll im hier und jetzt erlebbaren Kosmos köstlicher Klänge und raffinierter Tempoverschiebungen. In den rein instrumentalen Stücken haben naturgemäß die beiden Soloviolinen, gespielt von Annegret Siedel und Fritz Kircher, die meiste Gelegenheit, sich zu profilieren.Etwa in der "Sonata Pastorella" von Biber. Immer wieder wächst die Linie des einen Instruments rankenartig aus dem anderen heraus, oder nimmt dessen Melodie als zartes Echo auf. Zugvogel des Abends ist natürlich Emma Kirkby, die englische Nachtigall des historischen Klangs.......
Erleichtert vernimmt man, daß Emma Kirkby in der Tiefe noch an Rundung dazugewonnen hat. Etwa in einem erstaunlichen Tiefgriff auf dem Wort Leiden in der Weihnachtsweissagung" von Johann Georg Reichhard. Das Stück für 2 Violinen, Viola da gamba und Basso continuo war für mich der musikalische Höhepunkt des Abends. Schon das kurze Vorspiel stimmt mit seinem unruhigen Gestus auf eine dramatische Schärfung der Geschichte ein. Die Instrumen-talisten reizen die Kontraste aus. In diesem Miniatur-Drama kommt vor allem den erzählerisch führenden Geigen der gegenüber modernen Violinen eher körperhafte Klang zugute: kurz flammt eine gewisse Aufregung auf, dann ebnet sich die Melodielinie versöhnlich-beruhigt wieder ein, und Emma Kirkby intoniert wunderschön:"Denn uns ist ein Kind geboren"
Im zweiten Teil des Abends hinterlassen Momente der Innbrunst und Emphase in Philipp Böddeckers "Natus est Jesus" nachhaltigen Eindruck. Ebenso wie die klanglichen Verdüster-ungen in Carl Heinrich Bibers "Sonata Pastorale" das barocke Hauptmotiv der Vanitas, der Vergeblichkeit irdischen Strebens, durchscheinen lassen. Das Gefühl kann auch einem Men-schen des 20.Jahrhunderts in die Knochen fahren-damit wäre die Frage nach "Authentizität" in der Musik wohl beantwortet.
Pressestimmen aus dem Jahr 1997
J.S.Bach "Musikalisches Opfer"
Süddeutsche Zeitung, 7.10.1997:
"Der Schlüssel zu einem schwierigen Werk"
Das Ensemble für Alte Musik Bell'Arte Salzburg stellte Bachs "Musikalisches Opfer"...als eine nach den Regeln von Quintilians Rhetorik aufgebaute musikalische Rede vor. ...,es scheint, daß der Schlüssel für Bachs "Musikalisches Opfer" gefunden ist.
Zum äußerst feinen und klanglich transparenten Musizieren des Ensembles Bell`Arte Salzburg" sei an-gemerkt, daß die Wiedergabe dieser Musik auf historischen Instrumenten die Bestimmung dieser Musik als "Musica riservata",für eine kleinen Kreis von Kennern, bei welchen man die Kenntnis sowohl der Rhetorik Quintilians als auch der musikalischen Rhetorik voraussetzen konnte, unterstrich.
Concert Royal
Kirchheim unter Teck, 16.5.1997:
"Ein wahrhaft königlicher Genuß"
Der Titel des Programms "Concert Royal" war freilich nicht nur hinsichtlich der Auswahl der Kompositionen mit dem Schwerpunkt französischer Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts treffend gewählt, sondern entsprach auch der souveränen Spielweise der Musiker. Sie zeichnete sich durch eminente Stilsicherheit und Ausdrucksvielfalt, meisterhaftes Zusammenspiel und überlegene Beherrschung der technischen und musikalischen Darstellungsmittel aus.
Musik am Hofe des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV.
Freiberger Zeitung, Freie Presse 22.05.1997 :
"Alte Musik ganz neu erlebt"
...Aufgeführt wurde die Musik vom Ensemble "Bell`Arte Salzburg", das meisterhafte Interpretationen Alter Musik bot, die in dieser Qualität nur selten zu hören sind und auch in Freiberg zu den absoluten Rariträten gehören.
Weihnachtskonzert
Stuttgarter Nachrichten, 20.12.1997
"Ein Konzert fast wie zu Mozarts Zeiten"
Das verwundert nicht, denn die fünf Interpreten überzeugten durch ihr sehr intensives und auch gefühlvolles Spiel. Es war die Art, wie sie den Inhalt der Kompositionen eines Antonio Vivaldi, Heinrich Ignaz Biber, Johann Jacob Froberger, Johann Philipp Krieger, Johann Josepf Fux und Dietrich Buxtehude er-faßten und wiedergaben. Hervorzuheben sind die solistischen Einzel-leistungen, vor allem der Violinistin Annegret Siedel, wobei das nicht zu Lasten der Ensemble-leistung geht, die sich in der Geschlossenheit des Klangs auszeichnete.
Geistliches Konzert
Ostbayrische Rundschau 18.6.1997:
"Bell'Arte bot den Glanz alter Musik"
....Annegret Siedel, die "Prinzipalin" der Kammermusikgruppe, sie spielt auf einer wunderbar klingenden Violine von Albanus, und die Continuospieler Florian Birsak (Cembalo) und Michael Brüssing an der Gambe brachten den betörenden "Biber-Sound" mit virtuoser Prägnanz und artistischer Meisterschaft zur Geltung. ...
Zschopauer Zeitung 23.Mai 1998:
"Sternstunde Alter Musik"
...Die Künstler spielten nicht einfach Barockmusik, sie zelebrierten sie. In bisher kaum gehörter Brillanz boten sie Werke aus der Barockzeit.... Die Zuhörer honorierten die Vorstellung mit solch einem donnernden Applaus, wie ihn die alten Mauern des Gotteshauses sicher noch nie vernommen haben.
Geistliches Konzert mit Wolf Matthias Friedrich (Baß)
ANA 01.Juli 1998:
"Salzburger Bell`Arte Ensemble gastierte in Marienberg"
Solokantaten mit dem Bassisten Wolf Matthias Friedrich kamen zu Gehör,... die der Bassist mit lockerer Stimme mühelos darbot. Annegret Siedel musizierte auf ihrer Barockvioline eine Sonate die klarmachte, daß Musik eine Sprache ist, die mit dem Herzen verstanden wird, vorausgesetzt, der Künstler versteht die Grammatik. Es war ein Genuß, Annegret Siedel zuzuhören. Sowohl was die filigrane Virtuosität der verspielten Linien bei ihrem Solo und Kantatenbegleitungen als auch die Innigkeit ihres Tones betraf.
Italienisch-süddeutsche Serenade
Freisinger Tagblatt 5.10.1997:
"Zupackend, zündend und virtuos musiziert"
...Mit einer Sonate in D-Dur von Rupert Ignaz Mayr, der in Freising die Hofkapelle leitete, huldigte das "Bell`Arte" Ensemble dem hiesigen Genius loci. Aus Kopien nach handschriftlichen Überlieferungen musizierte das Salzburger Trio das einsätzige Werk mit seinem anspruchsvollen Violinpart derart zündend, daß seine Wiedergabe mit Sonderbeifall bedacht wurde....
Virtuose Barockmusik des 17.Jahrhunderts
Fuldaer Zeitung, 11.11.1997:
"Klanggespür und Stilsicherheit"
Mit einem abwechslungsreichen, anspruchsvollen Programm begeisterte "Bell'Arte Salzburg" die zahlreichen Zuhörer vom ersten bis zum letzten Takt. Was die fünf studierten Kammermusiker beson-ders auszeichnet, sind ihre profunden stilistischen Kenntnisse, verbunden mit selbstverständlicher Virtuosität. Hinzu kommt der feinnervige, farbige Klang der Instrumente, original oder in hervorragend gearbeiteten Nachbauten.
Der edle Wettstreit
Münchener Merkur, 04.Juni 1998:
" Wohltuendes Erstaunen"
Ja, hier hatte das Ensemble Bell' Arte Salzburg es fertiggebracht, durch weise Auswahl der Stücke dem Besucher Einblick zu geben, was Barockmusik eigentlich heißt: Nicht Abfolge stereotyper Sonaten mit Basso continuo, die den Hörer in edlem Gleichmaß der Gefühle beläßt, nein: Eine Vielfalt unterschiedlichster Art von Experimentierkunst. ...Ein Zeitalter großer Entdeckungen wurde da vorgestellt. Mit dieser Musik wurde in konsequenter Weise die ewig neue Aufbruchssituation der
Barockmusik bestätigt... Der Besucher verließ die Szene wie nach einem Bad wohltuenden Erstaunens.
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